Menu Expand

Reparationen am Internationalen Strafgerichtshof

Feiler, Mareike

Beiträge zum Internationalen und Europäischen Strafrecht / Studies in International and European Criminal Law and Procedure, Vol. 46

(2021)

Additional Information

Book Details

Pricing

About The Author

Mareike Feiler studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Nach ihrem Referendariat in Lübeck, Hamburg und Los Angeles erwarb sie einen Master of International Law and International Relations der University of New South Wales, Sydney. Im Rahmen einer Studie zu Opferbeteiligung am Khmer Rouge Tribunal in Kambodscha (ECCC) forschte sie in Kambodscha und an der Harvard Humanitarian Initiative, bevor sie ihre Dissertation zu Reparationen am Internationalen Strafgerichtshof an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begann. Parallel war und ist sie im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung tätig, wo sie aktuell Leiterin des Personalreferates ist. Mareike Feiler studied law at the Free University of Berlin. After her legal clerkship in Lübeck, Hamburg and Los Angeles she went to Sydney for her Master of International Law and International Relations at the University of New South Wales. She co-authored an empirical report on Civil Party Participation at the Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia and was visiting researcher at the Harvard Humanitarian Initivative. She wrote her thesis on Reparations at the International Criminal Court at the Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg. Currently she is head of human resources Press- and Information Office of the German Federal Government.

Abstract

Seit der Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs wurde sein Mandat wiederholt mit der Schaffung von Opfergerechtigkeit, »justice for victims«, beschrieben. Maßgeblicher Teil dessen ist die Anordnung von Opferentschädigung gegen die vom IStGH verurteilten Täter. Der Internationale Strafgerichtshof hat nunmehr drei Reparationsentscheidungen gefällt. Es zeigt sich, dass Wiedergutmachung im Bereich der Makrokriminalität nicht trivial ist. Unterschiedliche rechtliche Verständnisse und Ansätze können zu sehr unterschiedlichen Rechtauffassungen führen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Reparationsregime des IStGH. Ausgehend von allgemeinen Gedanken zum Ziel und Zweck des Reparationsregimes, werden die Anspruchsvoraussetzungen des Art. 75 IStGH-Stauts analysiert, in der Konturierung, die die Tatbestandsvoraussetzungen durch die Entscheidungen Lubanga, Katanga und Al Mahdi erhalten haben. »Reparations at the International Criminal Court«: Since the International Criminal Court was founded it has issued three orders for reparations. It has become obvious that reparations in the context of mass crimes are complex. The decisions reveal fundamental different understandings of the law governing the reparations claim at the International Criminal Court. This book analyses the decisions and makes suggestions in the hope for more tangible justice for victims at the International Criminal Court.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
I. Einleitung 13
II. Die Genese des Rechts der Reparationen bis zur Reparationsstruktur des IStGH 16
1. Staatenberechtigung im Völkerrecht 17
2. Mittelbarer internationaler Schutz – humanitäres Völkerrecht 18
3. Menschenrechte – Staatenverantwortlichkeit zum Schutz des Individuums 20
4. Völkerstrafrecht – der Täter als Völkerrechtssubjekt 25
a) Reparationen in internationalen/-isierten Gerichten 27
aa) Die Stellung der Opfer im System der Ad-hoc-Strafgerichtshöfe für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien 27
bb) Die Stellung der Opfer im System der hybriden Gerichte 29
(1) Reparationen an den ECCC 31
(2) Die Bedeutung von Reparationen am ECCC – Ergebnisse empirischer Studien 36
b) Reparationen am IStGH 41
aa) Die Struktur des Reparationsmandats in Art. 75 IStGH-Statut 43
(1) Anordnung von Reparationen 43
(2) Aufstellen von Reparation Principles 45
(3) Verfahren 47
bb) Der Treuhandfond nach Art. 79 Abs. 1 IStGH-Statut 48
(1) Reparationen (Reparations) 48
(2) General Assistance/humanitäres Mandat 49
cc) Entschädigungsgrundsätze vor dem IStGH 50
(1) Der „Do No Harm“-Grundsatz 50
(2) „Dignity, non-discrimination and non-stigmatisation“ 51
(3) „Accessibility and consultation with victims: gender-inclusive approach and child victims“ 51
5. Fazit 52
III. Zweck von Reparationen im Völkerstrafrecht 53
1. Kein durch Definition festgelegter Zweck 54
2. Reparationen im Völker‍(straf)‌recht – strukturell inadequat? 55
3. Zweck von Reparationen – Ein straftheoretischer Ansatz 60
a) Retributive Gerechtigkeit – Der Vergeltungsgedanke 61
b) Präventionsorientierte Gerechtigkeit – die abschreckende Wirkung von Maßnahmen 63
c) Reparative/Restorative Gerechtigkeit 65
d) Expressive Gerechtigkeit – die kommunikative Kraft von Unwerturteilen 69
e) Transitional Justice – Gerechtigkeit als Teil des gesellschaftlichen Wandels 70
f) Diskussion 73
4. Charakterisierung der Rechtsnatur 74
5. Zweckbestimmung der unterschiedlichen Formen von Reparationen am IStGH 77
a) Wiedergutmachungsarten 78
aa) Restitution 78
bb) Kompensation 79
cc) Rehabilitation 81
dd) Genugtuung 82
ee) Garantie der Nichtwiederholung 83
b) Exkurs – der zweigeteilte Zweckbegriff von de Greiff und Wierda 85
c) Zwischenergebnis 86
d) Kollektive und individuelle Wiedergutmachung 87
e) Diskussion 88
6. Ziel und Zweck des Reparationsregimes am IStGH: Diskussion 89
IV. Gerichtliche Reparationen nach Art. 75 Abs. 2 IStGH-Statut 93
1. Anspruchsvoraussetzungen und Anspruchsinhalt von Art. 75 Abs. 2 IStGH-Statut 93
a) Adressat der Reparationsanordnung 94
aa) Der verurteilte Täter als Adressat 95
bb) Mittellosigkeit als Anordnungshindernis? 98
cc) Diskussion 101
b) Destinatäre der Reparationsanordnung 102
aa) Mittelbare und unmittelbare Opfer 103
bb) Selektivität der Anklage 104
cc) Diskussion 106
c) Der Schadensbegriff des IStGH-Statuts 107
aa) Definition des Schadensbegriffs im IStGH-Statut 108
bb) Inhalt des Schadensbegriffs 109
(1) Materielle Schäden 111
(2) Physische Schäden 112
(3) Psychische Schäden 112
(4) Andere Schäden 114
cc) Diskussion 114
d) Kausalität 114
aa) Kausalitätsstandard am IStGH 116
bb) Diskussion 118
e) Beweisgrad und Beweislast 119
aa) Beweislast 119
bb) Beweisgrad 119
cc) Diskussion 125
f) Anordnungsmodi – Reparationen auf individueller oder kollektiver Basis 126
aa) Möglichkeiten des IStGH 126
bb) Kollektive Reparationen als Anordnungsmodus der Wahl? 129
cc) Die Wahl der Anordnungsmodi in der Praxis 131
dd) Angemessene Reparationsmodi am IStGH – Diskussion 135
g) Reparationsarten am IStGH 136
aa) Reparationsarten in Statut und Praxis des IStGH 136
bb) Diskussion 138
h) Feststellung des Schadens- und Haftungsumfangs 139
aa) Individuelle Feststellung der Entschädigungsberechtigung 139
bb) Individuelle Feststellung der Eligibility in den drei Entscheidungen 140
(1) Lubanga 140
(2) Katanga 143
(3) Al Mahdi 144
(4) Diskussion 145
cc) Berechtigungsprüfung abhängig von den Reparationsmodi? 145
(1) Lubanga 146
(2) Katanga 147
(3) Al Mahdi 148
(4) Diskussion 148
i) Haftungsumfang des Reparationsschuldners 149
aa) Konkrete Schadensfeststellung – die summierte Verantwortlichkeit für einzelne Schäden? 149
(1) Lubanga – Summierte Schätzung durch die Kammer 149
(2) Summierte Verantwortlichkeit in Katanga 150
(3) Al Mahdi 152
(4) Diskussion 152
bb) Berücksichtigung des Tatbeitrags des Reparationsschuldners 153
cc) Diskussion 155
j) Prinzip der Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit 156
aa) Doppelte Verhältnismäßigkeit am IStGH 156
bb) Angleichung durch praktische Konkordanz 158
2. Implementierung von Reparationsanordnungen 160
a) Implementierung durch den Gerichtshof – direkte Leistung durch den Schädiger 160
b) Implementierung durch den TFV 161
aa) Besondere Zuständigkeitsfragen im Lubanga-Verfahren 161
bb) Individuelle Feststellung der Reparationsberechtigung 162
cc) Die Herrin der Implementierungsstage 166
dd) Diskussion 168
c) Vollstreckung (Zusammenspiel von TFV und Verurteiltem) 171
aa) Vollstreckung in das Vermögen des Verurteilten 171
bb) Schutzbeschlagnahmung von Vermögen des Verurteilten 175
cc) Vollstreckung des Regressanspruchs des TFV 177
dd) Fazit 178
3. Gesamtdiskussion 180
V. Gesamtbetrachtung und Kriminalpolitische Schlussfolgerungen 186
1. Das Reparationsmandat am IStGH – Wie es zustande kam und wie es sich heute darstellt 186
2. Zweck und Grenzen des Mandats – Wunsch und Realität am IStGH 187
a) Erfolg des Reparationssystems? 187
b) Die zweigeteilte Zweckbestimmung von Reparationen 188
c) Die Rechtsprechung am IStGH – unterschiedliche Aussagen aufgrund unterschiedlicher Reparationsverständnisse? 189
d) Zweck erreicht oder Ziel verfehlt? 192
3. Fortentwicklung des IStGH-Systems auf materieller, prozessualer und struktueller Ebene 193
a) Materriellrechtlicher und prozessualer Vorschlag 193
b) Strukturelle Veränderungen am IStGH oder auch: Individuelle Verantwortlichkeit anstelle von Staatenverantwortlichkeit – Trostpreis für die Opferentschädigung? 195
aa) Schaffung von zivilrechtlichen Reparationskammern – einer Reparations Section 196
bb) Auffangen durch den TFV 197
cc) Der große politische Wurf: eine Claims Commission am IStGH 198
4. Fazit 200
Annex I 202
Literaturverzeichnis 203
Sachwortverzeichnis 214