Menu Expand

Das UNCITRAL Modellgesetz in der EU

Harmonisierung des Schiedsverfahrensrechts vor dem Hintergrund des Art. 1 (2)(d) EuGVVO?

Klebes, Stephan

Schriften zum Prozessrecht, Vol. 278

(2021)

Additional Information

Book Details

Pricing

About The Author

Stephan Klebes studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Mannheim (LL.B. Unternehmensjurist, 2013; erstes Staatsexamen, 2016) und Kapstadt (LL.M., 2017). Die vorliegende Arbeit erstellte er anschließend im Rahmen seiner Promotion an der Universität Osnabrück bei Prof. Dr. Mary-Rose McGuire (2017 bis 2020). Im Jahr 2020 schloss er zudem sein Rechtsreferendariat beim Oberlandesgericht Celle ab. Seit 2021 arbeitet er als Rechtsanwalt in Hamburg. Stephan Klebes studied law at the Universities of Mannheim (LL.B. in Business Law, 2013, first state examination, 2016) and Cape Town (LL.M., 2017). He subsequently prepared the present thesis as part of his doctoral studies at the University of Osnabrück under Prof. Dr. Mary-Rose McGuire (2017-2020). In 2020, he also completed his legal clerkship at the Higher Regional Court of Celle. He is working as a lawyer in Hamburg.

Abstract

Nach der Überarbeitung der EuGVVO ist die Schnittstelle zwischen Schieds- und staatlichen Gerichtsverfahren in der EU trotz umfassender Diskussionen noch immer nicht zufriedenstellend geregelt. Insbesondere verbleibt die Möglichkeit der Entstehung von Parallelverfahren zwischen den beiden Spruchkörpern. Diesem Problem nähert sich die vorliegende Arbeit, indem zunächst die gegenwärtige Rechtslage analysiert und darauf aufbauend der Versuch unternommen wird, einen eigenständigen Lösungsansatz auf Grundlage des UNCITRAL Modellgesetzes zu entwickeln. Im Zuge dessen werden neben den primärrechtlichen Kompetenzen der EU im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit vordergründig die für das Problem zentralen Regelungsbereiche im Kontext des Modellgesetzes erörtert. Aus dem sich anschließenden Rechtsanwendungsvergleich der Mitgliedstaaten Irland, Deutschland und Frankreich folgt eine Relevanz der Arbeit auch für Praktiker. Abschließend wird ein Rechtsakt der EU vorgeschlagen und begründet. »The UNCITRAL Model Law in the EU. Harmonization of the Law of Arbitration against the Background of Art. 1(2)(d) Brussels Ia-Regulation?«

The interface between arbitration and state court proceedings in the EU still allows the emergence of parallel proceedings. The dissertation analyzes this problem and proposes the enactment of a regulation based on the UNCITRAL Model Law as a solution. In addition to the competences of the EU in this area, the regulatory areas central to the problem are discussed in the context of the Model Law, followed by a comparative analysis of the application of the law in Ireland, Germany and France.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 14
A. Einleitung 19
I. Hintergrund des Vorschlags einer Harmonisierung des Schiedsverfahrensrechts in der EU 19
II. Gang der Untersuchung 22
B. Der Ausschluss der Schiedsgerichtsbarkeit vom Anwendungsbereich der EuGVVO 24
I. Einleitung 24
1. EZPR und Schiedsgerichtsbarkeit 24
2. Entwicklung des EZPR 26
a) EuGVÜ 26
b) EuGVVO a.F. 27
c) EuGVVO 27
d) Lugano-Übereinkommen 28
3. Folge des Ausschlusses einer Materie vom Anwendungsbereich der EuGVVO 29
II. Beteiligung staatlicher Gerichte an Schiedsverfahren 31
1. Überprüfung der Schiedsvereinbarung 31
a) Die Gültigkeit der Schiedsvereinbarung als Vorfrage des Verfahrens 31
b) Die Gültigkeit der Schiedsvereinbarung als Hauptstreitgegenstand 38
2. Prozessführungsverbote zur Unterstützung von Schiedsverfahren 39
a) Einleitung 39
b) Prozessführungsverbote staatlicher Gerichte 41
c) Schiedsgerichtliche Prozessführungsverbote 48
3. Maßnahmen zur Unterstützung des Schiedsverfahrens 51
4. Einstweilige Maßnahmen 52
a) Einleitung 52
b) Anordnung durch staatliche Gerichte 52
c) Anordnung durch Schiedsgerichte 56
5. Aufhebung des Schiedsspruchs 57
6. Anerkennung und Vollstreckung des Schiedsspruchs 57
7. Zwischenergebnis 58
III. Verbleibende Probleme 59
1. Parallelverfahren 59
2. Vollstreckung miteinander unvereinbarer Rechtstitel 60
a) Vollstreckungshindernisse der EuGVVO und des UNÜ 60
b) Vollstreckbarkeit des Schiedsspruchs im Staat des Parallelverfahrens 63
c) Gleichzeitige Existenz miteinander unvereinbarer Rechtstitel, die beide noch nicht vollstreckt wurden 64
d) Früherer Erlass eines der beiden Titel 66
aa) Gerichtsurteil vor Schiedsspruch 66
bb) Schiedsspruch vor Gerichtsurteil 66
e) Nach erfolgter Vollstreckung eines der Titel 66
aa) Vollstreckung im gleichen Staat – Gerichtsurteil vor Schiedsspruch 67
bb) Vollstreckung im gleichen Staat – Schiedsspruch vor Gerichtsurteil 67
cc) Vollstreckung in verschiedenen Mitgliedstaaten – Gerichtsurteil vor Schiedsspruch 72
dd) Vollstreckung in verschiedenen Mitgliedstaaten – Schiedsspruch vor Gerichtsurteil 73
f) Zwischenergebnis 75
3. Race to the courthouse – Race to the arbitral tribunal 78
4. Zwischenergebnis 79
IV. Ergebnis 79
C. Die Rechtsetzungskompetenz der EU im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit 81
I. Fehlende Berücksichtigung in der bisherigen Diskussion 81
1. Einleitung 81
2. Zu Zeiten des EuGVÜ und der EuGVVO a.F. 82
3. Die Reform der EuGVVO a.F. 84
4. Inkrafttreten der EuGVVO 87
5. Stellungnahme 89
II. Europarechtliche Grundlage der vertikalen Kompetenzverteilung, Art. 5 EUV 89
1. Einleitung 89
2. Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung, Art. 5‍(2) EUV 90
3. Subsidiaritätsprinzip, Art. 5‍(3) EUV 92
4. Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, Art. 5‍(4) EUV 94
5. Zwischenergebnis 96
III. Art. 81 AEUV als Kompetenzgrundlage eines EU-Schiedsverfahrensrechts 96
1. Einleitung 96
2. Voraussetzungen der Kompetenzausübung 98
3. Kompetenztitel des Art. 81‍(2) AEUV mit Bezug zur Schiedsgerichtsbarkeit 100
a) Einleitung 100
b) Anerkennung und die Vollstreckung gerichtlicher und außergerichtlicher Entscheidungen 101
c) Vereinbarkeit der in den Mitgliedstaaten geltenden Kollisionsnormen und Vorschriften zur Vermeidung von Kompetenzkonflikten 104
d) Effektiver Zugang zum Recht 105
e) Beseitigung von Hindernissen für die reibungslose Abwicklung von Zivilverfahren 106
f) Entwicklung von alternativen Methoden für die Beilegung von Streitigkeiten 107
g) Zwischenergebnis 109
IV. Ergebnis 109
D. Parallelverfahren – relevante Regelungsbereiche und multilateraler Rahmen 111
I. Für die Entstehung von Parallelverfahren relevante Regelungsbereiche des Schiedsverfahrensrechts 111
1. Einleitung 111
2. Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 112
a) Das Schiedsvereinbarungsstatut 112
b) Definition und Form der Schiedsvereinbarung 113
3. Zuständigkeitsallokation 113
a) Regelung der Kompetenz-Kompetenz 114
b) Isolierte Überprüfung der Schiedsvereinbarung 115
c) Überprüfung der Schiedsvereinbarung nach Erlass des Schiedsgerichts 116
4. Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 116
II. Für die Entstehung von Parallelverfahren relevante Regelungen in multilateralen Staatsverträgen 117
1. Einleitung 117
2. Für die Entstehung von Parallelverfahren relevante Regelungen des UNÜ 118
a) Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 118
aa) Das Schiedsvereinbarungsstatut, Art. II, V‍(1)(a) UNÜ 118
bb) Definition und Form der Schiedsvereinbarung, Art. II‍(1), (2) UNÜ 119
b) Zuständigkeitsallokation 120
c) Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 120
3. Für die Entstehung von Parallelverfahren relevante Regelungen des EuÜ 121
a) Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 121
aa) Das Schiedsvereinbarungsstatut, Art. VI‍(2) EuÜ 121
bb) Definition und Form der Schiedsvereinbarung, Art. I‍(2)(a) EuÜ 122
b) Zuständigkeitsallokation, Art. V, VI EuÜ 122
c) Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 123
III. Ergebnis 124
E. Das UNCITRAL Modellgesetz als Grundlage eines Rechtsaktes der EU? 125
I. Einleitung – Das Straßburger Übereinkommen 125
1. Hintergrund 126
2. Inhalt 126
3. Gründe des Scheiterns 129
II. Das UNCITRAL Modellgesetz – Hintergrund und Eignung für einen EU-Rechtsakt 130
1. Hintergrund 130
2. Eignung für einen EU-Rechtsakt 132
III. Das UNCITRAL Modellgesetz – für die Entstehung von Parallelverfahren relevante Vorschriften 133
1. Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 134
a) Das Schiedsvereinbarungsstatut 134
aa) Einleitung 134
bb) Regelungsumfang des Schiedsvereinbarungsstatuts 134
b) Das subjektive Schiedsfähigkeitsstatut 137
c) Das objektive Schiedsfähigkeitsstatut 138
d) Das Formstatut 140
e) Definition und Form der Schiedsvereinbarung 141
aa) Einleitung 141
bb) Variante I 142
cc) Variante II 143
2. Zuständigkeitsallokation 145
a) Kompetenz-Kompetenz des Schiedsgerichts 145
b) Isolierte Überprüfung der Schiedsvereinbarung 147
aa) Einleitung 147
bb) Prüfungsmaßstab des Art. 8‍(1) ModG 148
cc) Prüfungsumfang des Art. 8‍(1) ModG 149
c) Überprüfung der Schiedsvereinbarung nach Erlass des Schiedsgerichts 150
aa) Einleitung 150
bb) Rechtliche Qualifikation der Zuständigkeitsentscheidung des Schiedsgerichts als Vorfrage nach Art. 16‍(3) ModG 151
cc) Negative Zuständigkeitsentscheidung des Schiedsgerichts 154
dd) Präklusionswirkung eines unterlassenen Antrags nach Art. 16‍(3) ModG 157
ee) Prüfungsmaßstab des Art. 16‍(3) ModG 158
3. Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 159
IV. Ergebnis 160
F. Die Rezeption des Modellgesetzes in den Mitgliedstaaten der EU 161
I. Das Modellgesetz als Abgrenzungskriterium 161
II. Unterschiede zwischen den Schiedsverfahrensgesetzen der Mitgliedstaaten im Zusammenhang mit der Entstehung von Parallelverfahren 162
1. Modellgesetz-Staaten 163
2. Nicht-Modellgesetz-Staaten 170
3. Darstellung der Bandbreite an Lösungsansätzen 174
G. Rechtsanwendungsvergleich der Mitgliedstaaten Irland, Deutschland und Frankreich 179
I. Vollständige Rezeption des Modellgesetzes – Irland 180
1. Einleitung 180
2. Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 181
a) Das Schiedsvereinbarungsstatut 181
b) Definition und Form der Schiedsvereinbarung 183
3. Zuständigkeitsallokation 184
a) Kompetenz-Kompetenz des Schiedsgerichts 185
b) Isolierte Überprüfung der Schiedsvereinbarung 185
c) Überprüfung der Schiedsvereinbarung nach Erlass des Schiedsgerichts 189
4. Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 191
5. Zwischenergebnis 191
II. Teilweise Rezeption des Modellgesetzes – Deutschland 192
1. Einleitung 192
2. Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 194
a) Das Schiedsvereinbarungsstatut 194
aa) Einleitung 194
bb) Reichweite des Schiedsvereinbarungsstatuts 194
cc) Bestimmung des Schiedsvereinbarungsstatuts 195
b) Das subjektive Schiedsfähigkeitsstatut 200
c) Das Formstatut 201
aa) Ausländischer Schiedsort 202
bb) Deutscher Schiedsort 204
d) Definition und Form der Schiedsvereinbarung 205
aa) Legaldefinition der Schiedsvereinbarung, § 1029 dZPO 205
bb) Form der Schiedsvereinbarung, § 1031 dZPO 206
3. Zuständigkeitsallokation 209
a) Vorläufige Kompetenz-Kompetenz des Schiedsgerichts 210
b) Isolierte Überprüfung der Schiedsvereinbarung 210
aa) Schiedseinrede, § 1032‍(1) dZPO 211
bb) Zulässigkeitskontrolle, § 1032‍(2) dZPO 212
(1) Verhältnis der Zulässigkeitskontrolle zur Schiedseinrede 213
(2) Gegenstand der Zulässigkeitskontrolle 215
c) Überprüfung der Schiedsvereinbarung nach Erlass des Schiedsgerichts 217
aa) Rechtliche Qualifikation der Entscheidung des Schiedsgerichts nach § 1040‍(3) dZPO 217
bb) Negative Zuständigkeitsentscheidung des Schiedsgerichts 219
cc) Präklusionswirkung eines unterlassenen Antrags nach § 1040‍(3) dZPO 221
4. Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 222
5. Zwischenergebnis 223
III. Keine Rezeption des Modellgesetzes – Frankreich 224
1. Einleitung 224
2. Methodologische Grundlage der Schiedsgerichtsbarkeit nach französischem Recht – Lehre vom transnationalen Schiedsverfahren 225
3. Gültigkeit der Schiedsvereinbarung 228
a) Kollisionsrecht 228
b) Definition und Form der Schiedsvereinbarung 231
4. Zuständigkeitsallokation 233
a) Kompetenz-Kompetenz des Schiedsgerichts 234
b) Isolierte Überprüfung der Schiedsvereinbarung 235
c) Überprüfung der Schiedsvereinbarung nach Erlass des Schiedsgerichts 238
aa) Einleitung 238
bb) Rechtliche Qualifikation der Zwischenentscheidung des Schiedsgerichts 239
cc) Negative Zuständigkeitsentscheidung des Schiedsgerichts 240
dd) Präklusionswirkung eines unterlassenen Antrags nach Art. 1520 NCPC gegen die Zwischenentscheidung des Schiedsgerichts 241
5. Aufhebung des Schiedsspruchs bei Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung 241
a) Einleitung 241
b) Vollstreckung im Ausland aufgehobener Schiedssprüche 242
6. Zwischenergebnis 243
IV. Ergebnis 244
H. Lösungsvorschlag zur Vermeidung von Parallelverfahren in der EU 246
I. Einleitung – Meinungsstand zur Harmonisierung des Schiedsverfahrensrechts auf Ebene der EU 246
II. Lösungsvorschlag 249
1. Die geeignete Handlungsform – Verordnung oder Richtlinie? 249
a) Einleitung 249
b) Verordnung, Art. 288‍(2) AEUV 251
aa) Einleitung 251
bb) Möglichkeit einer Begrenzung des räumlichen Anwendungsbereichs 252
c) Richtlinie, Art. 288‍(3) AEUV 253
aa) Einleitung 253
bb) Regelungsdichte 254
cc) Umsetzungspflicht 255
dd) Möglichkeit einer Begrenzung des räumlichen Anwendungsbereichs 256
d) Stellungnahme – Verhältnismäßigkeit der Wahl der geeigneten Handlungsform 256
aa) Einleitung 256
bb) Harmonisierung auch gegenüber Drittstaaten durch Verwendung des Modellgesetzes 257
cc) Direkte Rezeption des Modellgesetzes als Idealfall der Harmonisierung 257
dd) Die Verordnung als verhältnismäßige Handlungsform 258
2. Eine Verordnung zur Umsetzung von Teilen des Modellgesetzes 260
a) Gesetzgebungsvorschlag 260
b) Erläuterung Kapitel I. 263
c) Erläuterung Kapitel II. 265
d) Verknüpfung mit der EuGVVO 267
3. Verhältnismäßigkeit des Vorschlags, Art. 5‍(4) EUV 268
III. Weitere Vorteile eines einheitlichen Schiedsverfahrensrechts auf Grundlage des Modellgesetzes 270
1. Umfassende Vereinheitlichung über die Grenzen der EU hinaus 270
2. Wertungskonsistenz durch EuGH 271
3. Aufbau auf bestehenden multilateralen Staatsverträgen 272
IV. Der richtige Zeitpunkt – die Auswirkungen des Brexit 273
I. Ergebnis und Ausblick 277
I. Ergebnis 277
II. Ausblick 278
Literaturverzeichnis 280
Sachwortverzeichnis 296