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Die Förderung der Allgemeinheit als gemeinnütziger Zweck nach § 52 Abs. 1 AO

Zur Begrenzung des Kreises der Geförderten anhand personenbezogener Merkmale

Streckenbach, Philipp

Schriften zum Steuerrecht, Vol. 167

(2021)

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About The Author

Philipp Streckenbach hat an der Universität Passau Rechtswissenschaften studiert (Erstes Staatsexamen 2015) und im Anschluss daran ein Jahr in Dundee/Schottland verbracht (LLM 2016). Nach dem Referendariat am Landgericht Ulm (Zweites Staatsexamen 2018) mit Stationen in der Deutschen Botschaft Nairobi und der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften war er zwei Jahre als Rechtsanwalt im Steuerrecht in einer wirtschaftsrechtlichen Kanzlei in Mannheim tätig, parallel dazu promovierte er an der Universität Passau. Seit 2020 arbeitet er in der Bundeszollverwaltung. Philipp Streckenbach studied law at Passau University in Germany (First State Exam 2015) and at Dundee University in the United Kingdom (LLM 2016). After his legal clerkship, during which he studied at the German University of Administrative Sciences Speyer and worked at the German Embassy in Nairobi, he pursued his doctorate at Passau University and worked as a lawyer specialised in tax law in Mannheim. Since 2020, he works for the German Customs administration.

Abstract

Vereine, Stiftungen und andere Einrichtungen können nur dann gemeinnützig sein, wenn sie die Allgemeinheit fördern. Der Autor widmet sich der Frage, ob ein Verein, eine Stiftung oder eine andere Einrichtung auch dann die Allgemeinheit fördert und damit gemeinnützig im steuerrechtlichen Sinn sein kann, wenn sie nur die Angehörigen eines Geschlechts fördert oder ihre Förderung von einem anderen personenbezogenen Merkmal abhängig macht. Aus der Entstehungsgeschichte der maßgeblichen Normen sowie deren Sinn und Zweck lässt sich ableiten, dass gemeinnützige Einrichtungen einer strengen Gemeinwohlbindung unterliegen, die der staatlichen Bindung an das Gemeinwohl entspricht. Daraus folgt, dass gemeinnützige Einrichtungen ähnlich wie staatliche Organe an Grundrechte gebunden sind und nicht ohne ausreichende Rechtfertigung anhand des Geschlechts oder anhand eines anderen personenbezogenen Merkmals differenzieren dürfen. »The Altruistic Advancement of the General Public as a Public-Benefit Purpose: Limiting the Group of Persons Benefiting from such Advancement Based on Personal Features«

According to German tax law, a corporation may claim tax privileges on account of its serving directly and exclusively public-benefit purposes. In order to claim these tax privileges, the corporation is required to serve the altruistic advancement of the general public. In his work, the author analyses whether corporations may still benefit from tax privileges if they limit the group of persons benefiting from such advancement based on personal features such as gender or nationality.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
§ 1 Einleitung 13
§ 2 Einführung ins Gemeinnützigkeitsrecht 17
I. Historische Einführung 17
1. Ursprünge des Gemeinnützigkeitsrechts 17
2. Entstehung eines gesetzlich geregelten Gemeinnützigkeitsrechts 19
3. Zusammenfassung 21
II. Wesentliche Voraussetzungen und Anwendungsbereich 21
1. Persönlicher Anwendungsbereich 21
2. Sachliche Voraussetzungen 22
a) Einführung 22
b) Gemeinnützige Zwecke 23
aa) Katalog gemeinnütziger Zwecke, § 52 Abs. 2 Satz 1 AO 23
bb) Kollisionen zwischen gemeinnützigen Zwecken 24
cc) Insbesondere: Religiöse Zwecke 26
c) Ausschließlichkeit 26
d) Unmittelbarkeit 27
e) Selbstlosigkeit 28
f) Anerkennungsverfahren 29
III. Rechtsfolgen und wirtschaftliche Bedeutung der Gemeinnützigkeit 29
1. Steuervergünstigungen und Vermögensbindungen 30
a) Direkte Steuervergünstigungen 30
aa) Gesetzliche Steuerbefreiungen und Steuervergünstigungen 30
bb) Wirtschaftliche Bedeutung der Steuervergünstigungen 32
(1) Finanzierung gemeinnütziger Tätigkeit 32
(2) Einfluss der Gemeinnützigkeit auf Vereine und Stiftungen 33
(3) Einfluss der Gemeinnützigkeit auf Kapitalgesellschaften 35
b) Indirekte Steuervergünstigungen 36
c) Vermögensbindungen 37
2. Sonstige rechtliche Vergünstigungen 38
3. Wirtschaftliche Vorteile 38
4. Bewertung 39
IV. Verlust der Gemeinnützigkeit 41
1. Verstöße gegen das Gemeinnützigkeitsrecht und deren Rechtsfolgen 41
a) Formelle Verstöße 42
b) Materielle Verstöße 43
2. Steuerliche Konsequenzen 45
a) Ertragsteuern 46
b) Umsatzsteuer 47
c) Erbschaft- und Schenkungsteuer 47
d) Spendenhaftung 48
3. Bewertung 48
V. Grundrechtlicher Schutz der Gemeinnützigkeit 49
VI. Zusammenfassung 52
§ 3 § 52 Abs. 1 AO in Rechtsprechung, Literatur und Verwaltung 53
I. Rechtsentwicklung 53
1. § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 53
a) Ursprünge in der Rechtsprechung 53
b) Konkretisierungen in Verordnungen und Durchführungsbestimmungen 55
c) Erste gesetzliche Regelung 57
d) Einfluss nationalsozialistischer Ideologie 57
e) Weitergeltung von § 17 StAnpG nach 1945 58
f) Erlass der AO 1977 60
g) Zukünftige Änderungen 60
2. § 52 Abs. 1 Satz 2 AO 61
a) Frühe gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung 61
b) Konkretisierungen in Verordnungen und Durchführungsbestimmungen 62
c) Regelung in § 17 StAnpG 63
d) Weitergeltung von § 17 StAnpG nach 1945 64
e) Erlass der AO 1977 64
3. Zusammenfassung und historischer Kontext 64
a) Zusammenfassung 64
b) Historischer Kontext 65
II. Heutiges Verständnis 68
1. § 52 Abs. 1 Satz 1 AO in Rechtsprechung, Literatur und Verwaltung 68
a) Rechtsprechung 68
aa) Gemeinwohlbezug 68
bb) Verfassungsmäßige Ordnung 71
cc) Auffassung der Bevölkerung 72
dd) Bezüge zu anderen Normen 73
b) Literatur 73
aa) Gemeinwohl- oder Zeitgeistbezug 73
bb) Verfassungsmäßige Ordnung 75
cc) Einhaltung der Rechtsordnung 78
dd) Auffassung der Bevölkerung 79
c) Verwaltung 79
2. § 52 Abs. 1 Satz 2 AO in Rechtsprechung, Literatur und Verwaltung 79
a) Rechtsprechung 80
b) Literatur 80
c) Verwaltung 82
d) Ergebnis 82
III. Kritik der gegenwärtigen Auslegung 83
1. Abhängigkeit vom Zeitgeist 83
2. Verweis auf außerrechtliche Kriterien 84
3. Undeutliche Hinweise auf ein bewegliches System 86
4. Entscheidung des Bundesfinanzhofs im Kontext von Art. 3 GG 87
a) Verfassungsrechtliche Vorgaben und deren Umsetzung 88
aa) Art. 3 Abs. 3 GG: Rechtliche Gleichbehandlung 88
bb) Art. 3 Abs. 2 GG: Tatsächliche Gleichstellung 89
b) Prüfung des Bundesfinanzhofs 90
aa) Vergleich mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts 90
bb) Objektive Wertordnung und mittelbare Drittwirkung 92
cc) Unmittelbare Drittwirkung 96
dd) Ergebnis 98
IV. Zusammenfassung 98
§ 4 Förderung der Allgemeinheit und das Gemeinwohl 100
I. § 52 Abs. 1 Satz 1 AO im Gemeinnützigkeitsrecht 100
II. Steuern als Beitrag zum Gemeinwohl 102
1. Rechtfertigung der Steuererhebung 102
a) Äquivalenz 103
b) Freiheitliche Entfaltung 103
c) Staatsfinanzierung 104
2. Staatszweck Gemeinwohl 104
a) Meta-Verfassung 106
b) Prinzip der Republik 106
c) Demokratieprinzip 108
3. Ergebnis 108
4. Sozialzwecknormen 110
III. Steuervergünstigungen für gemeinnützige Einrichtungen 111
1. Gemeinwohlförderung durch Staatsentlastung 111
2. Steuervergünstigung aus Gründen des Gemeinwohls 113
3. Exkurs: Spendenabzug 115
IV. Gemeinwohlkonflikte 118
1. Inhaltliche Differenzierung 119
2. Nutzenabwägung 120
3. Subsidiaritätsprinzip 121
4. Freiheitsgrundrechte 123
V. Äquivalenz durch das Gemeinnützigkeitsrecht 124
1. Gemeinnützigkeitsrecht als Äquivalenzrecht 124
a) Anforderungen an äquivalente Gemeinwohlförderung 124
b) Kein Widerspruch zu § 52 Abs. 1 Satz 3 AO 126
c) Ergebnis 127
2. Exkurs: Mildtätige und kirchliche Zwecke 129
a) Mildtätige Zwecke 129
b) Kirchliche Zwecke 130
VI. Zusammenfassung 132
§ 5 Gemeinwohl als Tatbestandsmerkmal in § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 134
I. Gemeinwohl als Tatbestandsmerkmal 134
1. Politikprogramm, Tatbestandsmerkmal oder Leerformel? 134
2. Grundsatz der Tatbestandsmäßigkeit der Besteuerung 136
II. Vergleichbare Gemeinwohltatbestände 137
1. Gemeinwohl als Verbotstatbestand 138
a) Beispiele 138
aa) § 62 GmbHG 138
bb) § 80 Abs. 2 Satz 1 BGB 139
b) Funktion 141
c) Übertragbarkeit auf § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 141
2. Gemeinwohl in Ausnahmeregelungen 142
a) Beispiele 142
aa) § 23 LadSchlG 142
bb) § 15 Abs. 2 ArbZG und § 31 Abs. 2 Nr. 1 BauGB 143
cc) § 11 JVKostG 144
b) Funktion 145
c) Übertragbarkeit auf § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 146
aa) Gemeinwohl als Innenverweis 146
bb) Gemeinwohl als Querverweis 148
cc) Gemeinwohl als Verweis nach unten 148
dd) Gemeinwohl als Verweis nach oben 148
III. Zusammenfassung 150
§ 6 Inhalt des Gemeinwohls in § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 151
I. Verfassungsrechtliche Konkretisierung des Gemeinwohls 152
II. Prozedurale Gemeinwohlkriterien 155
1. Summe aller Einzelinteressen 155
2. Ergebnis der parlamentarischen Gesetzgebung 157
a) Rein prozedural ermitteltes Gemeinwohl? 158
b) Kein rein prozedural ermitteltes Gemeinwohl 159
c) Schlussfolgerungen für die Auslegung von § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 160
III. Materiale Gemeinwohlkriterien 160
1. Die Menschenwürde als höchster Verfassungswert 161
2. Grundrechte 162
a) Freiheitsgrundrechte 162
b) Gleichheitsgrundrechte 163
c) Schlussfolgerungen für die Auslegung von § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 164
3. Staatsziele 165
a) Gemeinwohl als Summe aller Staatsziele 165
b) Schlussfolgerungen für die Auslegung von § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 166
4. Staatsstrukturprinzipien 167
a) Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Bundesstaatlichkeit 167
b) Republikprinzip 167
c) Sozialstaatsprinzip 167
d) Schlussfolgerungen für die Auslegung von § 52 Abs. 1 Satz 1 AO 169
IV. Zusammenfassung 169
§ 7 Praktische Anwendung auf problematische Fälle 172
I. Exkurs: Förderung der Allgemeinheit bei Ausschluss von Ausländern 172
1. Wer wird gefördert? 174
2. Einfaches Recht 174
3. Verfassungsrecht 175
II. Förderung der Allgemeinheit bei Diskriminierungen anhand des Geschlechts 177
1. Freimaurerlogen und Schützenbruderschaften 177
a) Wer wird gefördert? 177
b) Einfaches Recht 178
c) Verfassungsrecht 179
2. Männer- oder Frauengesangsverein 180
III. Zusammenfassung 181
§ 8 Schluss 182
I. Zusammenfassung 182
1. Einführung ins Gemeinnützigkeitsrecht 182
2. § 52 Abs. 1 AO in Rechtsprechung, Literatur und Verwaltung 183
3. Förderung der Allgemeinheit und das Gemeinwohl 184
4. Gemeinwohl als Tatbestandsmerkmal 185
5. Inhalt des Gemeinwohls 186
6. Praktische Anwendung auf problematische Fälle 186
II. Ausblick 187
Literaturverzeichnis 188
Sachverzeichnis 210