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Zeit in Gesetzen erfasst – G. W. F. Hegels Theorie der Kodifikation

Müller, Michael W.

Recht und Philosophie, Vol. 10

(2022)

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About The Author

Michael W. Müller, M.A., LL.M. (Cambridge) studierte Rechtswissenschaften und Philosophie als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes in München und Cambridge, Vereinigtes Königreich. 2013 erwarb er ein Diploma in the Law of the European Union am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. 2018 wurde er nach Aufenthalten in Durham, NC (Duke Law School, 2015), und Cambridge, MA (Harvard Law School, 2016), mit einer Arbeit zu Verfassungsfragen der Finanzmarktstabilisierung in München zum Dr. jur. promoviert. Seit 2019 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Kirchenrecht (Prof. Dr. Korioth) an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Abstract

Die Studie erschließt die Kodifikationstheorie Georg Wilhelm Friedrich Hegels für aktuelle rechtstheoretische Diskussionen. Sie zeigt, dass Hegels Äußerungen zum – bis heute maßgeblich mit den Protagonisten Friedrich Carl von Savigny und Anton Friedrich Justus Thibaut assoziierten – Streit um die Möglichkeiten einer systematisierenden Verschriftlichung des bürgerlichen Rechts nicht lediglich als zeitbezogene Invektive zu verstehen sind. Sie sind vielmehr eng mit Hegels rechtsphilosophischem Programm verknüpft: Die Abfassung eines formell und materiell allgemeinen Gesetzbuchs ist nach Hegels Auffassung Grundlage von Freiheit, juristische Systembildung ist Aufgabe der Philosophie, seine Grundlinien der Philosophie des Rechts sind Beispiel für das denkende Erfassen des Rechtsstoffs, das einer Kodifikation zugrunde liegen muss. Die philosophische Zeitlosigkeit der Anforderungen, die Hegel an ein Kodifikationsprojekt stellt, lässt schließlich Aussagen über aktuelle Systembildungsversuche auf der Ebene der Europäischen Union zu. Insbesondere kann Hegels Theorie die Ermutigung entnommen werden, durch rechtsphilosophische Systematisierung zur Suche nach einheitlichen Strukturen beizutragen, auf deren Basis sich ein einheitsstiftendes Narrativ entfalten kann.»Time comprehended in laws. Hegel and the Codification of Law«: The thesis analyzes Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s contribution to the German codification debate in the 19th century and its potential for a modern theory of codification. According to Hegel, codification means abstraction and system formation based on the actual, with respect to the reasonable law. On this basis, codification is a constant process and as much a requirement of a civilized society of free citizens as it is a contribution to its realization.

Table of Contents

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Inhaltsverzeichnis 5
Einleitung 9
A. „Hegel und wir“ 13
B. Hegel und der Kodifikationsstreit 18
I. Der Streit um die Kodifikation des bürgerlichen Rechts 19
1. Ausgangssituation 20
2. Anton Friedrich Justus Thibaut: Ueber die Nothwendigkeit eines allgemeinen bürgerlichen Rechts für Deutschland 21
3. Friedrich Carl von Savigny: Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 23
4. Kodifikationsstreit und Kodifikationstheorie 26
II. Hegels Position im Kodifikationsstreit 29
1. Die „Ungeschicklichkeit, die wahrhaften Sitten in die Form von Gesetzen zu bringen“ – Naturrechtsaufsatz (1802) 30
2. „Einer der größten Schimpfe“ – Bezugnahme auf den Kodifikationsstreit in der Rechtsphilosophie (1821) 32
a) Zur Systematik der Rechtsphilosophie nach Hegel 33
b) Die notwendige Allgemeinheit des Gesetzes als Grund der Kodifikation 34
c) Zur Gefahr der unvollkommenen Kodifikation 36
d) Positivität des Rechts und Kodifikation 38
3. „Ein vollkommenes abgeschlossenes Gesetzbuch ist ein unerreichbares Ideal“ – Vorlesungsnachschriften (1817/18–1824/25) 41
a) 1817/1818 (Nachschrift Wannenmann) 42
b) 1818/1819 (Nachschrift Homeyer) 44
c) 1819/1820 (Nachschriften Ringier / Anonymus [Bloomington]) 45
d) 1821/1822 (Nachschrift Anonymus [Kiel]) 47
e) 1822/1823 (Nachschrift Hotho) 49
f) 1824/1825 (Nachschrift Griesheim) 50
C. Hegels Kodifikationsverständnis als Teil seines rechtsphilosophischen Systems 52
I. Hegels Rechtsphilosophie als Philosophie des allgemeinen, positiven Gesetzes 53
1. Die Positivität des Rechts als Ausgangspunkt 53
2. Allgemeine Rechtskenntnis als Voraussetzung von Freiheit 55
3. Ermöglichung von Rechtskenntnis als Akt der Gerechtigkeit 55
4. Der Begriff der Allgemeinheit 56
5. Kodifikation als Forderung von Gerechtigkeit und Freiheit in der bürgerlichen Gesellschaft 57
II. Die Geschichtlichkeit allen Rechts 57
1. Untrennbare Verknüpfung des Rechts mit der Lebenswirklichkeit 58
2. Zeitgebundener Charakter des Rechts selbst 58
3. Die Aufgabe der Kodifikation 59
III. Kodifikation als Systematisierungsleistung der Vernunft 60
1. Kodifikation als Aufgabe der Juristen? 61
2. Rechtsprechung und Gesetzgebung 62
3. Kodifikation und Fortentwicklung des Gesetzes 63
4. Philosophische und positive Rechtswissenschaft 66
5. Ergebnis 68
D. Elemente einer idealistischen Kodifikationstheorie 69
I. Bedeutung von Kodifikation 69
II. Kodifikationszeitpunkt 70
III. Aufgabe und Methodik der Kodifikation 71
IV. Akteure 73
V. Fortentwicklung nach der Kodifikation 74
VI. Idealistische Kodifikationstheorie 75
E. Hegel, die Kodifikation und wir 76
I. Das europäische Privatrecht und die Kodifikationsidee 77
II. Projekte der europäischen Privatrechtsvereinheitlichung 79
III. Perspektiven 82
1. Schwierigkeiten 83
2. Anforderungen auf Grundlage von Hegels Kodifikationstheorie 84
3. Ermutigung 86
Abstract 87
Werke Georg Wilhelm Friedrich Hegels 87
Sonstige Literatur 88
Literaturverzeichnis 88
Abgekürzt zitierte Werke Georg Wilhelm Friedrich Hegels 88
Sonstige Literatur 89
Personen- und Sachverzeichnis 98