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Verbraucherrechtsdurchsetzung bei Massenschäden

Ein Beitrag zu Grenzen des Individualrechtsschutzes und zur Perspektive der Musterfeststellungsklage

Dettmer, Maximilian

Schriften zum Prozessrecht, Vol. 281

(2022)

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About The Author

Maximilian Dettmer studierte von Oktober 2014 bis März 2019 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig. Von Oktober 2019 bis März 2022 war er an der Universität Augsburg als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilverfahrensrecht, Unternehmensrecht, Europäisches Privat- und Internationales Verfahrensrecht von Herrn Professor Dr. Raphael Koch, LL.M. (Cambridge), EMBA tätig. Dabei forschte er vorwiegend im Bereich des Zivilverfahrensrechts und beschäftigte sich insbesondere mit dem kollektiven Rechtsschutz sowie mit aktuellen Herausforderungen für die Ziviljustiz. Seit April 2022 absolviert er sein Rechtsreferendariat am OLG Stuttgart. Maximilian Dettmer studied law at the University of Leipzig from October 2014 to March 2019. From October 2019 to March 2022, he worked at the University of Augsburg as a rese-arch assistant at the Chair of Civil Law, Civil Procedure Law, Corporate Law, European Pri-vate and International Procedural Law of Professor Dr. Raphael Koch, LL.M. (Cambridge), EMBA. His research dealt mainly with the area of civil procedural law and focused in particu-lar on collective redress and current challenges for the civil justice system. He is currently completing his legal traineeship at the Higher Regional Court of Stuttgart.

Abstract

Spätestens der im Jahr 2015 aufgedeckte Abgasskandal hat erhebliche Defizite in der Verbraucherrechtsdurchsetzung bei Massenschäden offenbart. Die Ziviljustiz und das auf den Individualrechtsschutz ausgerichtete Zivilverfahrensrecht waren nicht darauf vorbereitet, ein solch umfassendes Schadensereignis mit einer Vielzahl gleichartig geschädigter Verbraucherinnen zu bewältigen. Als Reaktion hierauf wurde insbesondere die Musterfeststellungsklage eingeführt. Die Arbeit untersucht, inwieweit das neue Verfahren mit den hergebrachten Grundsätzen des Prozessrechts zu vereinbaren ist und baut eine Brücke zwischen Individual- und Kollektivrechtsschutz. Außerdem widmet sie sich den Fragen, ob und wie die zentralen Vorgaben der neuen EU-Verbandsklagenrichtlinie im bestehenden Instrument der Musterfeststellungsklage umgesetzt werden könnten und sollten, sowie mit welchen Maßnahmen sich die vielfältigen Rechtsschutzmöglichkeiten für Verbraucherinnen ansonsten ausbauen und verbessern ließen. »Consumer Law Enforcement in Mass Tort Cases. A Contribution to the Limits of Individual Legal Protection and the Perspective of the Model Declaratory Action«: The diesel emissions scandal revealed considerable deficits in the enforcement of consumer rights in cases of mass damage and ultimately led to the introduction of the »Model Declaratory Action«, the first collective legal protection instrument in the individualistic ZPO. After more than three years of testing, the question shall now be answered – especially in light of the new EU directive on representative actions – whether the model has a future and to what extent changes are required.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsübersicht 7
Inhaltsverzeichnis 9
§ 1 Einleitung 15
A. Hintergrund 16
I. Zunehmende Massenschadensfälle 16
II. Bisherige Bündelungsmöglichkeiten 18
B. Untersuchungsanlass 20
I. Zwischenbilanz 20
II. Rechtspolitische Entwicklungen 23
C. Wissenschaftliche Zielsetzung und Gang der Darstellung 26
1. Teil: Zivilprozessuale Problematik von Massenschäden 28
§ 2 Prozessrechtlicher Rahmen 28
A. Leitbild des Zivilprozesses 28
I. Begriff der Parteien 29
II. Bedeutung der Parteistellung 30
III. Prozessmaximen 31
1. Dispositionsmaxime und rechtliches Gehör 32
2. Verhandlungsmaxime 33
IV. Konsequenzen bei Massenschäden 34
1. Grenzen des Individualrechtsschutzes 35
2. Vorgaben für den Kollektivrechtsschutz 36
a) Konzentration der Verfahrensleitung 36
b) Disposition über Verfahrensbeteiligung 38
B. Zweck des Zivilprozesses 39
I. Individualrechtsschutz 39
II. Kollektivrechtsschutz 40
1. Verbandsklagen mit gesetzlichem Mandat 41
2. Bündelungsformen (auch) mit Individualmandat 42
C. Fazit 44
§ 3 Defizite des Individualrechtsschutzes 45
A. Prozessunökonomische Verfahrensbewältigung 46
I. Justiz als begrenzte Ressource 46
II. Verzögerungsgefahren durch Klagewellen 49
III. Auswirkungen paralleler Prozesse 49
IV. Fazit 51
B. Prozessuales Ungleichgewicht 52
I. Unternehmerisches Abwehrinteresse 53
1. Präzedenzherbeiführung 54
2. Präzedenzverhinderung 55
II. Unternehmerische Abwehrstrategie 56
III. Auswirkungen auf Rechtsdurchsetzung 59
1. Beeinträchtigung prozessualer Waffengleichheit 59
2. Hervorrufen eines Abschreckungseffekts 62
C. Rationales Desinteresse 63
I. Verbraucherinnen als Betroffene 63
1. Schwächen im rechtlichen Konflikt 64
2. Flucht aus dem Individualverfahren 65
II. Relevante Faktoren 68
1. Kosten 69
a) Zusammensetzung und Prozesskostenrisiko 69
b) Kostenreduzierung 71
c) Fazit 73
2. Aufwand 74
a) Zeitliche Faktoren 74
b) Psychologische Faktoren 77
III. Abwägungsentscheidung über Rechtsverfolgung 78
D. Typisierung von Massenschäden 79
I. Abgrenzung nach Abwägungsabhängigkeit 80
II. Richtwert für Bagatellbereich 82
§ 4 Lösungsansätze für Massenschäden 84
A. Ausklammerung echter Bagatellschäden 84
B. Potenziale und Grenzen des Individualrechtsschutzes 86
I. Beschleunigtes Online-Verfahren 86
II. Digitale Einkleidung und Unterstützung 88
III. Vorabentscheidungsverfahren 90
C. Bedürfnis für Kollektivrechtsschutz 92
I. Modellierungen 93
1. Zielrichtung (Muster-)Feststellung 94
2. Zielrichtung Leistung 95
II. Qualitätsmerkmale 95
1. Systemkonformität und Balance 96
2. Effizienz und Effektivität 97
2. Teil: Einordnung der Musterfeststellungsklage 99
§ 5 Ausgestaltung des Verfahrens 99
A. Grundstruktur 99
I. Beteiligte 100
1. Klägerseite 100
a) Prozessstandschaft der Musterklägerin 101
b) Anmeldebefugnis der Verbraucherinnen 102
2. Beklagtenseite 104
II. Klagegegenstand 104
III. Zuständigkeit und Rechtsmittel 107
B. Zulässigkeit 109
I. Klagebefugnis qualifizierter Einrichtungen 109
1. Mitgliedszahl und Eintragungszeit 110
2. Anforderungen an Interessenwahrnehmung 111
3. Finanzielle Unabhängigkeit 114
4. Fazit 115
II. Vorgreiflichkeit und Quorum 115
C. Einleitung und Ablauf des Verfahrens 116
I. Öffentliche Bekanntmachung im Klageregister 117
II. Anspruchsanmeldung 118
1. Anforderungen 118
2. Rücknahme 120
3. Wirkungen 121
III. Verfahrensrechtliche Besonderheiten 123
1. Sperrwirkung und Verfahrenskoordination 124
2. Abweichungen zu allgemeinen Verfahrensregeln 126
D. Beendigung 127
I. Musterfeststellungsurteil 128
1. Reichweite der Bindungswirkung 128
2. Rechtsnatur der Bindungswirkung 129
II. Musterfeststellungsvergleich 131
1. Besondere Voraussetzungen 131
a) Genehmigung durch das Gericht 132
b) Austrittsrecht der Verbraucherinnen 133
2. Praktische Umsetzung 134
§ 6 Systematische Vereinbarkeit 137
A. Prozessrechtliche Rahmenbedingungen 137
I. Maximentreue 138
II. Hauptprozesszweck 140
III. Fazit 142
B. Verfassungsrechtliche Vorgaben 142
I. Anspruch auf rechtliches Gehör 143
1. Einschränkungen im Musterfeststellungsverfahren 144
2. Freiwilliger Verzicht auf rechtliches Gehör 146
a) Zulässigkeit des Gehörsverzichts 147
aa) Risiko eines Rechtsnachteils 149
bb) Entscheidungsbewusstsein 150
b) Ausbau der Schutzvorkehrungen 151
3. Fazit 154
II. Justizgewährleistungsanspruch/Gebot effektiven Rechtsschutzes 155
III. Prozessuale Waffengleichheit 157
1. Einschränkung im Musterfeststellungsverfahren 157
2. Zeitpunkt eines Gegenantragsrechts 159
3. Bestehen eines Gegenantragsrechts 160
C. Verhältnis zu weiteren ZPO-Vorschriften 163
I. Zulassung einer Klageänderung 164
1. Ausgangslage 165
2. Klageänderung nach erstem Termin 165
II. Zulassung eines Versäumnisurteils 169
D. Fazit 171
3. Teil: Perspektive der Musterfeststellungsklage 172
§ 7 Weiterentwicklung des Kernkonzeptes 172
A. Zweistufigkeit des Modells 173
I. Analyse der Verfahrensszenarien 173
1. Anmeldephase 174
2. Verfahrensende durch Vergleich 176
a) Hindernisse im Musterfeststellungsverfahren 177
b) Rahmenbedingungen eines Verbesserungsansatzes 179
3. Verfahrensende durch Urteil 181
4. Fazit 184
II. Spielraum für Umsetzung der Verbandsklagenrichtlinie 184
B. Umsetzungsperspektive der Verbandsklagenrichtlinie 186
I. Richtlinienvorgaben 188
1. Arten von Verbandsklagen 189
2. Anwendungsbereich 190
3. Klagebefugnis 191
4. Einbeziehung der Verbraucherinnen 193
5. Informations- und Unterrichtungspflichten 195
6. Verfahrensausgang 196
II. Abhilfe im Rahmen der Musterfeststellungsklage 198
1. Musterfeststellungsklage als taugliches Grundgerüst 199
a) Richtlinienkonforme Regelungen 199
b) Mögliche Anpassungen 201
2. Modellierung eines integrierten Leistungsmechanismus 202
a) Entscheidung über Mindestabhilfe 203
b) Individuelle Verteilungsphase 206
c) Abhilfefrist und Austrittsrecht 207
C. Stärkung der Anschlusslösungen 208
I. Individualklageweg 209
1. Digitalisierungspotenzial 209
2. Gebührensenkung 211
II. Anderweitige Szenarien 212
1. Gebündelte Forderungseinziehung durch Verband 212
2. Forderungsabtretung an Inkassodienstleisterinnen 214
a) Ausgangslage 216
b) Rechtslage ab 1.10.2021 218
aa) Umfang der zulässigen Tätigkeit 219
bb) Kombination mit Prozessfinanzierung 220
cc) Aufklärung der Verbraucherinnen 222
dd) Erweitertes Registrierungsverfahren 223
c) Fazit 225
3. Anspruch auf Schlichtungsverfahren 226
D. Fazit 227
§ 8 Einzelfragen 229
A. Finanzierung 229
I. Finanzierungsbedarf der Musterklägerin 231
1. Verfahrensvorbereitung 231
2. Verfahrensdurchführung 233
II. Handlungsmöglichkeiten 236
1. Umgestaltung der Klagebefugnis 237
a) Streichung der Zusatzanforderungen 237
b) Erweiterung der Klageberechtigung 240
2. Ausbau externer Unterstützung 242
a) Gewerbliche Prozessfinanzierung 242
aa) Hürden de lege lata 242
bb) Aussichten de lege ferenda 244
b) Staatliche Förderung 245
3. Fazit 247
B. Anmeldung 248
I. Verjährungsfalle 248
1. Prozessrechtliche Lösung 250
2. Materiell-rechtliche Lösung 253
a) Rechtsfortbildung de lege lata 253
aa) Teleologische Reduktion 253
bb) Einzelanalogie 254
b) Modifikation de lege ferenda 256
3. Sonderfall Scheinverbraucherin 257
II. Anspruchsabtretung 259
1. Forderungszession nach Anmeldung 259
a) Zulässigkeit 260
b) Einbeziehung der Zessionarin 261
2. Forderungszession vor Anmeldung 262
C. Haftung 264
I. Ersatzanspruch gegen Musterklägerin 264
1. Vertragliches Schuldverhältnis 265
2. Gesetzliches Schuldverhältnis 267
II. Ersatzanspruch gegen Prozessbevollmächtigte 268
III. Fazit 271
4. Teil: Schlussbetrachtung 273
§ 9 Ergebnisse 273
A. Zivilprozessuale Problematik von Massenschäden (1. Teil) 273
B. Einordnung der Musterfeststellungsklage (2. Teil) 275
C. Perspektive der Musterfeststellungsklage (3. Teil) 278
Literaturverzeichnis 281
Stichwortverzeichnis 298