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Das Problem der Spätabtreibung

Rechtstatsächliche, rechtsmedizinische und kriminologische Aspekte sowie juristische Lösungsansätze in rechtsvergleichender Perspektive

Frey, Jessica

Schriften zum Strafrecht, Vol. 397

(2022)

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About The Author

Jessica Frey studierte Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg mit Schwerpunkt Kriminologie und Jugendstrafrecht. Während ihres Studiums hatte sie in einem gemeinnützigen Verein, der Familien und Senioren in Notsituationen unterstützt, eine leitende Position mit Personalverantwortung inne. Nach dem Referendariat am Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg arbeitete sie als Rechtsanwältin in einer auf das Wirtschaftsrecht spezialisierten Kanzlei in Hamburg. Seit 2014 ist sie Staatsanwältin.

Abstract

Im Jahr 1995 wurde die embryopathische Indikation mit dem Schwangeren- und Familienhilfegesetz abgeschafft. Die interdisziplinäre Untersuchung geht der Frage nach, inwieweit die derzeitige Fassung des § 218 a Abs. 2 StGB den mit der Reform verfolgten Zweck erfüllt, dem Missverständnis entgegenzuwirken, die Rechtfertigung des Abbruchs ergebe sich aus einer geringeren Achtung des Lebensrechts kranker Kinder. Die tatsächliche Praxis von Spätabtreibungen und Fetoziden wird empirisch analysiert und unter kriminologischen, medizinischen, verfassungsrechtlichen sowie strafrechtsdogmatischen Aspekten begutachtet.

Im Ergebnis der Analysen, in die auch rechtsvergleichende Untersuchungen der entsprechenden Praxis in anderen Ländern eingehen, wird ein Reformvorschlag unterbreitet. Der Gesetzeswortlaut einer Neuregelung des Abtreibungsrechts wird formuliert, welcher der Problematik von Spätabtreibungen und dem Schutz behinderter ungeborener Kinder besser gerecht werden soll als die aktuelle Gesetzesfassung.
»The Problem of Late Term Abortion. Legal, Medical, and Criminological Aspects and Legal Approaches in a Comparative Legal Perspective«: The work deals with the problem of late-term abortion and its handling under criminal law in Germany from an interdisciplinary perspective, in which criminological, medical, constitutional and criminal law dogmatic aspects are linked. The author presents her empirical analysis on feticide and late termination of pregnancy and makes a proposal for a new legal regulation.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abbildungsverzeichnis 12
Abbildung 1: Schwangerschaftsabbrüche nach Indikationen 1977 – 2008 48
Abbildung 2: Schwangerschaftsabbrüche nach embryopathischer Indikation 1977 – 1995 49
Abbildung 3: Abbrüche nach der 23. SSW 50
Abbildung 4: In Hamburger Kliniken durchgeführte Fetozide 54
Abbildung 5: Schwangerschaftswochen bei Durchführung eines Fetozids am UKE 55
Abbildung 6: Schwangerschaftswochen bei Durchführung eines Fetozids in der AKB 56
Abbildung 7: Mittels Prostaglandinen eingeleitete Geburten nach der 20. SSW 57
Abbildung 8: Schwangerschaftswochen bei Geburtseinleitung ohne vorherigen Fetozid 57
Abkürzungsverzeichnis 13
A. Einleitung 17
B. Medizinische Problematik 21
I. Pränataldiagnostik (PND) 22
1. Nichtinvasive Methoden 24
a) Ultraschalldiagnostik 24
b) Triple-Test 26
c) Nichtinvasive Pränataltests (NIPT) 27
2. Invasive Methoden 29
a) Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) 30
b) Chorionzottenaspiration (Eihautentnahme) 31
c) Cordozentese (Nabelschnurpunktion) 32
d) Fetoskopie (Fruchtspiegelung) 33
II. Chancen pränataler Diagnostik 33
III. Risiken pränataler Diagnostik 34
IV. Verbot pränataler Diagnostik 36
V. Umgang mit dem technischen Fortschritt im Rahmen pränataler Diagnostik 37
VI. Die Konfliktlage des Arztes und des medizinischen Personals 39
VII. Statistische Kontrolle 46
VIII. Vorhandene Daten 47
IX. Datenaufnahme in zwei Hamburger Kliniken 53
X. Fazit 58
C. Rechtsethische Problematik 61
I. Lebensrecht des Embryos 62
1. Kontinuitätsargument 63
2. Speziesargument 64
3. Potenzialitätsargument und Hares Ansatz 66
4. Identitätsargument und Lockes Verständnis personaler Identität 70
5. Zwischenergebnis 73
6. Interessentheorien 73
a) Tod als Übel 74
b) Lebensinteresse 76
aa) Wunschkriterium 77
bb) Empfindungsfähigkeit 78
II. Fazit 80
D. Juristische Ausgangslage 82
I. Verfassungsrechtliche und verfassungsgerichtliche Vorgaben 83
II. Internationaler und supranationaler Schutz der Menschenrechte 86
1. Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) 86
2. Europäische Grundrechtscharta 87
3. UN-Kinderrechtskonvention (KRK) und UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) 88
4. Entscheidungen des EGMR 95
a) Das Urteil Vo gegen Frankreich vom 08.07.2004 95
aa) Sachverhalt, Verfahren und Parteivorbringen 96
bb) Die Grundzüge der Urteilsbegründung 98
cc) Sondervoten 99
(1) Abweichende Urteilsbegründung des Richters Rozakis 99
(2) Abweichende Urteilsbegründung des Richters Costa 100
(3) Abweichende Meinung des Richters Ress 100
(4) Abweichende Meinung der Richterin Mularoni 102
b) Die Urteile Draon gegen Frankreich und Maurice gegen Frankreich vom 06.10.2005 103
c) Das Urteil Tysiak gegen Polen vom 20.03.2007 104
aa) Sachverhalt, Verfahren und Parteivorbringen 104
bb) Die Grundzüge der Urteilsbegründung 105
d) Das Urteil A., B. und C. gegen Irland vom 16.12.2010 106
aa) Sachverhalt, Verfahren und Parteivorbringen 107
bb) Die Grundzüge der Urteilsbegründung 108
e) Das Urteil R. R. gegen Polen vom 26.05.2011 111
aa) Sachverhalt, Verfahren und Parteivorbringen 111
bb) Die Grundzüge der Urteilsbegründung 113
5. Zwischenergebnis 115
III. Grundrechte und Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 117
1. Art. 2 II S. 1 GG – Das Recht auf Leben 119
a) Wortlaut 120
b) Gesetzessystematik 122
c) Historische und teleologische Auslegung 123
2. Art. 1 I GG – Der Menschenwürdeschutz 130
3. Art. 3 III S. 2 GG – Diskriminierungsverbot behinderter Menschen 135
a) Wortlaut 135
b) Gesetzessystematik 136
c) Historische und teleologische Auslegung 137
4. Zwischenergebnis 140
IV. Strafrechtliche Legitimation der medizinischen Indikationen 141
1. Strafrechtliche Legitimation der engen medizinischen Indikation 142
2. Strafrechtliche Legitimation der weiten medizinischen Indikation 145
V. Fazit 149
E. Juristischer Lösungsansatz 150
I. Schutz von Leib und Leben im deutschen (Straf-)Recht 150
1. Schutz des Geborenen 150
2. Schutz des Ungeborenen 151
II. Geburtsbeginn als wesentlicher Einschnitt 152
III. Der lebensfähige Embryo als Mensch 154
1. Lebensfähigkeit 155
2. Auslegungsfähigkeit des strafrechtlichen „Mensch“-Begriffs 156
a) Wortlaut 156
b) Historische Auslegung 157
c) Gesetzessystematik 159
IV. Schwangerschaftsabbruch im internationalen Vergleich 162
1. Rechtsprechung des U.S. Supreme Court 164
2. Rechtsprechung in den Niederlanden 174
V. Lebensfähigkeit als wesentlicher Einschnitt 176
VI. Schaffung eines neuen qualifizierenden Tatbestands 178
VII. Mögliche Gesetzesfassung der Abbruchtatbestände 179
F. Fazit 184
Literaturverzeichnis 187
Stichwortverzeichnis 214