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Korruption ohne Reue?

Die tätige Reue im Wirtschaftsstrafrecht unter besonderer Betrachtung der Korruptionsdelikte §§ 299, 299a und 299b StGB

Breit, Simone

Schriften zum Strafrecht, Vol. 399

(2022)

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About The Author

Simone Breit studierte Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz mit strafrechtlichem Schwerpunkt. Nach dem Referendariat am Landgericht Mainz war sie von 2016 bis 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Straf- und Strafprozessrecht von Herrn Prof. Dr. Jan Zopfs tätig. Seit 2016 arbeitet sie in der auf das Wirtschaftsstrafrecht spezialisierten Kanzlei Knierim & Kollegen in Mainz; dort ist sie nunmehr Partnerin. Sie ist als Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen tätig und wurde im Jahr 2021 zum Dr. jur. promoviert.

Abstract

Sowohl § 299 StGB (Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr) als auch §§ 299a und 299b StGB (Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen) sehen keine Regelung einer tätigen Reue vor. Dies ist nicht ungewöhnlich, denn Regelungen zur tätigen Reue finden sich im Strafgesetzbuch nur vereinzelt und sie folgen – so die allgemeine Meinung – keiner Systematik. Diese Aussage wird von Simone Breit hinsichtlich der Delikte des Wirtschaftsstrafrechts auf den Prüfstand gestellt. Bei der Untersuchung der Delikte kristallisiert sich die Einordnung als Kumulationsdelikt, einer besonderen Form des abstrakten Gefährdungsdelikts, als wesentlicher Anknüpfungspunkt heraus. Die anschließende Frage nach dem Hintergrund der privilegierenden Wirkung tätiger Reue führt zu grundlegenden Überlegungen, die letztlich auf die Strafzwecke abzielen. Schließlich werden die Korruptionsdelikte wieder in den Blick genommen und eine spezifische Regelung der tätigen Reue bei §§ 299, 299a und 299b StGB vorgeschlagen.»Corruption without Remorse? Active Repentance in Commercial Criminal Law with Special Consideration of the Offenses of Corruption §§ 299, 299a, and 299b StGB«: Neither Section 299 nor Sections 299a and 299b of the Criminal Code contain any regulation on active repentance. This is not unusual, since regulations of active repentance - according to the general opinion - do not follow any systematic. This statement is put to the test by Simone Breit with regard to the offenses of economic criminal law. The connecting factors and criteria identified in the course of the study are then applied to corruption offenses. The work ends with a proposal for a specific regulation on active repentance in the corruption offenses.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 18
Einleitung und Gang der Untersuchung 23
1. Teil: Untersuchungsgegenstand Wirtschaftsstrafrecht 27
1. Abschnitt: Definition des Wirtschaftsstrafrechts 27
A. Strafprozessuale Definition 28
B. Kriminologische Definitionen 29
I. Täterbezogene Ansätze 30
1. „White collar crime“ 30
2. Kriminalität bei sonstiger sozialer Unauffälligkeit 30
II. Tatbezogene Ansätze 30
1. „Occupational crime“ und „corporate crime“ 31
2. Edelhertz' tatbezogener Ansatz 31
3. Abgrenzung nach den Auswirkungen der Delikte 32
III. Kritik an den kriminologischen Ansätzen 32
C. Strafrechtsdogmatische Definition 34
I. Definition des Rechtsguts als Abgrenzungskriterium 34
II. Ein das Wirtschaftsstrafrecht einendes Rechtsgut 37
1. Vertrauen als Kollektivrechtsgut 37
2. Wirtschaft als Kollektivrechtsgut 38
3. Soziale Marktwirtschaft als Kollektivrechtsgut 39
4. Zusammenfassung 40
D. Ergebnis 41
2. Abschnitt: Umfang des Wirtschaftsstrafrechts 43
A. Korruptionsdelikte als Wirtschaftsstraftaten 44
I. § 299 StGB 44
1. § 299 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Nr. 1 StGB 44
a) Wettbewerb 45
b) Vermögen und Chancengleichheit der Mitbewerber 45
c) Andere Individuen 46
d) Nichtkäuflichkeit von Entscheidungsmacht 46
e) Organisationsstrukturen 46
f) Stellungnahme 47
2. § 299 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2 StGB 49
a) Schutz des Geschäftsherrn 49
b) Wettbewerb 50
c) Stellungnahme 50
3. Zwischenergebnis 51
II. §§ 299a und 299b StGB 52
1. Wettbewerb 53
2. Integrität heilberuflicher Entscheidungen 54
3. Schutz des Mitbewerbers, der Krankenkassen und der Patienten 54
4. Stellungnahme 55
5. Zwischenergebnis 56
III. Ergebnis 57
B. Wirtschaftsstrafrechtliche Regelungen 57
I. Untersuchungsumfang der Regelungen zur tätigen Reue 57
1. Regelungen der tätigen Reue im Strafgesetzbuch 58
2. Regelungen einer tätigen Reue im Wirtschaftsstrafrecht 60
a) § 149 StGB 61
aa) Vorbereitung zur Geldfälschung 61
bb) Vorbereitung zur Fälschung von Wertzeichen 62
cc) Vorbereitung zur Fälschung von Wertpapieren 63
dd) Zwischenergebnis 64
b) § 261 StGB 64
aa) Divergierende Ansichten zu einem einheitlichen Rechtsgut 64
bb) Differenzierung nach den verschiedenen Absätzen des § 261 StGB 65
cc) Stellungnahme 66
dd) Zwischenergebnis 69
c) § 264 StGB 69
aa) Vermögen als geschütztes Rechtsgut 70
bb) Planungs- und Dispositionsfreiheit als geschütztes Rechtsgut 70
cc) Funktionsfähigkeit des Subventionswesens als geschütztes Rechtsgut 71
dd) Stellungnahme 71
ee) Zwischenergebnis 74
d) 264a StGB 75
aa) Vermögen der Kapitalanleger als Rechtsgut 75
bb) Kapitalmarkt als Rechtsgut 75
cc) Stellungnahme 76
dd) Zwischenergebnis 78
e) § 265b StGB 78
aa) Vermögen als geschütztes Rechtsgut 79
bb) Funktionieren des Kreditwesens als Rechtsgut 79
cc) Stellungnahme 79
dd) Zwischenergebnis 81
f) § 266a StGB 81
aa) Rechtsgut der Absätze 1 und 2 82
(1) Sozialversicherungsaufkommen als geschütztes Rechtsgut 82
(2) Vermögen als Rechtsgut 82
(3) Wettbewerb als Rechtsgut 83
(4) Stellungnahme 83
bb) Rechtsgut des Absatzes 3 84
cc) Zwischenergebnis 85
g) § 298 StGB 85
aa) Freier, fairer und funktionierender Wettbewerb als Rechtsgut 86
bb) Vermögen als Rechtsgut 86
cc) Stellungnahme 86
cc) Zwischenergebnis 88
h) § 370 AO 88
aa) Steueraufkommen als Rechtsgut 88
bb) Vermögen als Rechtsgut 89
cc) Besteuerungssystem als Rechtsgut 89
dd) Gleichmäßige Lastenverteilung als Rechtsgut 89
ee) Bestand des Steueranspruchs als Rechtsgut 90
ff) Stellungnahme 90
gg) Zwischenergebnis 92
3. Ergebnis 92
2. Teil: Tätige Reue im Wirtschaftsstrafrecht 95
1. Abschnitt: Vergleichskriterien 96
A. Erfolgs- und Tätigkeitsdelikt 96
B. Gefährdungs- und Verletzungsdelikte 97
C. Versuch/Vollendung/Beendigung 99
2. Abschnitt: Anwendung der Kriterien auf die Delikte des Wirtschaftsstrafrechts mit Regelung einer tätigen Reue 100
A. § 149 StGB 100
I. Deliktsart 100
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 101
B. § 261 StGB 101
I. Deliktsart 101
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 102
C. § 264 StGB 103
I. Deliktsart 103
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 103
D. § 264a StGB 105
I. Deliktsart 105
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 105
E. § 265b StGB 106
I. Deliktsart 106
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 107
F. § 266a StGB 107
I. Deliktsart 107
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 108
G. § 298 StGB 110
I. Deliktsart 110
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 111
H. § 370 AO 112
I. Deliktsart 112
II. Versuch/Vollendung/Beendigung 113
I. Ergebnis 116
I. Zur Deliktsart 116
II. Zu Versuch/Vollendung/Beendigung 119
1. Kurzes Versuchsstadium 120
2. Lange Beendigungsphase 121
III. Zusammenfassung 122
3. Abschnitt: Nachtatverhalten 123
A. Strafbedürfnis 123
I. Wesen der Strafe 123
II. Strafzwecke 125
1. Absolute Straftheorien 125
2. Relative Straftheorien 125
a) Generalprävention 126
b) Spezialprävention 126
3. Vereinigungslehre 127
4. Stellungnahme und Ergebnis 128
B. Privilegierendes Nachtatverhalten 129
I. Rücktritt 130
1. Anwendungsbereich Versuch 131
2. Grund der Privilegierung 132
a) Theorien mit einer isolierten Begründung der Straffreiheit 132
aa) Theorie der goldenen Brücke 133
bb) Prämientheorie 133
cc) Zwischenergebnis 133
b) Theorien mit Bezug zum Strafgrund des Versuchs 134
aa) Rechtstheorien 134
bb) Einheitstheorien 135
cc) Schulderfüllungstheorie nach Herzberg 136
dd) Gefährdungsumkehr nach Jäger 136
ee) Strafzwecktheorie 137
c) Ergebnis 139
3. Voraussetzung des § 24 StGB 140
a) §24 Abs.1 S.1 StGB 140
b) §24 Abs.1 S.2 StGB 141
4. Folgen der Anwendung 142
II. Auf Strafzumessungsebene 142
1. § 46 Abs. 2 S. 2 StGB 143
a) Anwendungsbereich und Voraussetzungen der Norm 143
b) Folgen der Anwendung 144
2. Täter-Opfer-Ausgleich gemäß § 46a StGB 144
a) Anwendungsbereich der Norm 144
b) Voraussetzung der Norm 146
c) Folgen der Anwendung 146
3. Hilfe zur Aufklärung schwerer Straftaten, § 46b StGB 147
a) Anwendungsbereich der Norm 147
b) Voraussetzungen der Norm 148
c) Folgen der Anwendung 148
III. Prozessuale Berücksichtigung 148
1. § 153a StPO 149
a) Anwendungsbereich der Norm 149
b) Voraussetzungen der Norm 149
c) Folgen der Anwendung 150
IV. Nachtatverhalten und Strafe 151
1. Gemeinsame Voraussetzungen des Nachtatverhaltens 151
2. Gründe der Privilegierung 153
a) Schuldrelevanz des Nachtatverhaltens 153
aa) Meinungsbild zur Einwirkung auf die Schuld 155
(1) Ausschließliche Präventionsrelevanz 155
(2) Unmittelbare Einwirkung auf die Schuld 157
(3) Mittelbare Wirkung auf die Schuld (Indizkonstruktion) 158
bb) Stellungnahme 158
cc) Prinzip der Verrechnung 163
dd) Mindestmaß an Strafzumessungsschuld 166
b) Auswirkungen des Nachtatverhaltens auf die präventiven Strafzwecke 167
aa) Negative Generalprävention 167
bb) Positive Generalprävention 169
cc) Negative Spezialprävention 170
dd) Positive Spezialprävention 172
ee) Ergebnis 173
3. Fehlende Strafwürdigkeit aufgrund des wiedergutmachenden Nachtatverhaltens 174
a) Ein Fall der Schuldunterschreitung? 175
b) Anknüpfung an das Maß der Schuld 177
4. Unterschiedliche Ausgestaltung des wiedergutmachenden Nachtatverhaltens 179
5. Ergebnis 181
V. Tätige Reue 182
1. Rechtsfolgen der tätigen Reue 183
2. Anknüpfung an ein gemindertes Maß von Schuld 184
a) Unrecht der abstrakten Gefährdung 185
aa) Strafgrund der abstrakten Gefährdung 185
(1) Theorie der generellen Gefährlichkeit 186
(2) Präsumtionstheorie 186
bb) Stellungnahme 187
b) Ergebnis 192
3. Tätige Reue und Strafzwecke 193
a) Regelungen der tätigen Reue 193
aa) Vorbereitung der Fälschung von Geld und Wertzeichen (§ 149 StGB) 194
bb) Geldwäsche (§ 261 StGB) 194
cc) Subventionsbetrug (§ 264 StGB) 195
dd) Kapitalanlagebetrug (§ 264a StGB) 196
ee) Kreditbetrug (§ 265b StGB) 196
ff) Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt (§ 266a StGB) 197
gg) Wettbewerbsbeschränkende Absprachen (§ 298 StGB) 197
hh) Steuerhinterziehung (§ 370 AO), Selbstanzeige § 371 AO 198
b) Wirkungen auf Ebene der Strafzumessungsschuld 200
aa) Analyse der einzelnen Regelungen 200
bb) Prinzip der Gefährdungsumkehr 202
c) Wirkungen auf Ebene der Prävention 204
aa) Negative Generalprävention 204
bb) Positive Generalprävention 205
cc) Negative Spezialprävention 206
dd) Positive Spezialprävention 206
d) Zusammenfassung zur Wirkung auf Strafzwecke 207
4. Konstitutive Voraussetzungen tätiger Reue 208
a) In der Literatur benannte Kriterien 209
aa) Nichteintritt eines erheblichen Schadens 209
bb) Aktives Tätigwerden 210
cc) Reueerfolg 210
dd) Freiwilligkeit 211
ee) Zwischenergebnis 212
b) Aus der Untersuchung folgende Kriterien 212
aa) Anwendungsbereich der Vorschriften 213
bb) Erforderliches Verhalten 215
(1) Anforderungen an die Gefährdungsumkehr 215
(2) Anforderung hinsichtlich präventiver Strafzwecke 218
c) Zwischenergebnis 218
5. Ergebnis 219
3. Teil: Korruptionsdelikte und tätige Reue 222
1. Abschnitt: Darstellung und Analyse der Vorschriften 222
A. Darstellung der tatbestandlichen Voraussetzungen 222
I. Gemeinsame Voraussetzungen der §§ 299 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 1 StGB 223
II. Gemeinsame Voraussetzungen der §§ 299a und 299b StGB 225
III. Tathandlungen 226
1. Fordern, Sich-Versprechen-Lassen und Annehmen (§§ 299 Abs. 1 und 299a StGB) 226
2. Anbieten, Versprechen und Gewähren (§§ 299 Abs. 2 und 299b StGB) 227
B. Deliktsart 228
I. §§ 299 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 1 StGB 229
II. §§ 299a und 299b StGB 229
III. Zwischenergebnis 230
C. Versuch/Vollendung/Beendigung 231
D. Ergebnis 232
2. Abschnitt: Die Regelung einer tätigen Reue bei den Korruptionsdelikten 234
A. Rechtslage de lege lata 234
I. Regelungslücke 235
II. Erforderlichkeit einer Regelung 238
1. Erforderlichkeit einer tätigen Reue aufgrund des Schuldprinzips und des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes 239
a) Vereinbarkeit der geltenden Rechtslage mit dem Schuldprinzip und dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz 240
b) Vereinbarkeit mit dem Schuldgrundsatz und dem Verhältnismäßigkeitsprinzip de lege ferenda 242
2. Erforderlichkeit einer tätigen Reue aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes 243
3. Erforderlichkeit einer tätigen Reue aufgrund von Opferschutz 245
4. Erforderlichkeit aus praxisrelevanten Gründen 246
III. Ergebnis 246
IV. Regelungslücke vorübergehend durch Analogie zu schließen? 247
B. Ausgestaltung einer gesetzlichen Regelung 248
I. Regelung im Allgemeinen Teil 249
II. Regelung im Besonderen Teil 250
1. Tätige Reue im Rahmen der Gesetzgebung zu § 299 StGB 250
2. Bewertung der Gesetzesentwürfe des Bundesrats und des Freistaats Bayern 252
III. Entwurf einer gesetzlichen Regelung für §§ 299, 299a und 299b StGB 253
1. Anwendungsbereich 253
2. Konstitutives Kriterium der Freiwilligkeit 254
3. Rechtsfolge 254
4. Repressive Anforderungen an die Reuehandlung 254
a) Einseitige Tathandlungen 255
aa) Fordern 255
bb) Anbieten und Versprechen 256
b) Zweiseitige Tathandlungen 257
aa) Sich-Versprechen-Lassen und Annehmen 258
bb) Gewähren 258
5. Präventive Anforderungen an die Reuehandlung 259
a) Negative Generalprävention 259
b) Positive Generalprävention 260
c) Spezialprävention 261
d) Zwischenergebnis 262
6. Anzeigepflicht 262
a) Generelle Anzeigepflicht 263
b) Realisierbarkeit der Anzeigepflicht 263
C. Ergebnis 265
4. Teil: Thesenartige Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 269
Literaturverzeichnis 272
Stichwortverzeichnis 291