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Woher weißt Du das?

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Kingreen, T. (2024). Woher weißt Du das?. Eine Selbstbefragung in verfassungsrechtspraktischer Absicht. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-59112-1
Kingreen, Thorsten. Woher weißt Du das?: Eine Selbstbefragung in verfassungsrechtspraktischer Absicht. Duncker & Humblot, 2024. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-59112-1
Kingreen, T (2024): Woher weißt Du das?: Eine Selbstbefragung in verfassungsrechtspraktischer Absicht, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-59112-1

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Woher weißt Du das?

Eine Selbstbefragung in verfassungsrechtspraktischer Absicht

Kingreen, Thorsten

Verfassungstheoretische Gespräche, Vol. 3

(2024)

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About The Author

Thorsten Kingreen ist seit 2003 Professor für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Gesund-heitsrecht an der Universität Regensburg. Zuvor war er von 2002 bis 2003 Professor an der Universität Bielefeld. Einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München lehnte er 2011 ab. Im akademischen Jahr 2014/2015 war er Gastprofessor an der University of California in Berkeley. Prof. Kingreen hat Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und der Université de Genève studiert und seine Referendarzeit in Düsseldorf und Tel Aviv absolviert. Promoviert und habilitiert wurde er an der Universität Münster. Wichtige Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind der deutsche, europäische und internationale Menschenrechtsschutz, das Verfassungsrecht der Europäischen Union und das Sozialrecht, insbesondere das Recht des Gesundheitswesens.

Abstract

Wie legen wir Normen des Grundgesetzes aus? Eine erste intuitive Antwort lautet: indem wir sie, ebenso wie das einfache Recht, mittels der gängigen Auslegungsmethoden untersuchen. Aber die Normen des Grundgesetzes weisen zumindest zwei Besonderheiten auf, die sie vom einfachen Recht unterscheiden. Sie sind zumeist sehr knapp formuliert und seit 75 Jahren überwiegend nicht verändert worden. Daher sind sie bei neuen Fragestellungen, die namentlich durch die Pluralisierung, die Digitalisierung oder die Europäisierung aufgeworfen worden sind, nicht ohne Weiteres operationalisierbar. Die Interpretation einer Norm des Grundgesetzes beinhaltet daher vor allem die Interpretation der zu ihr ergangenen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Die Untersuchung befasst sich auf der Grundlage eines Referenzfalls mit der Methode der Rezeption von verfassungsgerichtlichen Präjudizien und arbeitet anhand vieler Einzelentscheidungen eine heuristische Maßstabsverantwortung des Bundesverfassungsgerichts heraus»How Do You Know? A Self-Interrogation on Constitutional Interpretation with Practical Intent«: The interpretation of a norm of the Basic Law primarily includes the interpretation of the Federal Constitutional Court's rulings on it. Using a reference case, the study deals with the method of reception of constitutional court precedents and, based on many individual decisions, develops a heuristic standard of responsibility for the Federal Constitutional Court.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Grundlegung 11
I. Das Prinzip Augenthaler 11
II. Recht banal: Ein Ausgangsfall für die Ausgangsfrage 13
III. Grundannahmen 17
1. Spezifische Textur von Verfassungsnormen 17
2. Die Methoden- als Kompetenzfrage 19
3. Verfassungsrechtsprechung als Rechtserkenntnisquelle 21
IV. Mögliches Präjudiz für den Ausgangsfall: BVerfGE 103, 242 (2001) 26
B. Fallstudie im Verfassungsvergleich 28
I. Fall oder Maßstab? Bezugspunkte der Rezeption von Präjudizien 28
II. Das Recht des Schwangerschaftsabbruchs in der verfassungsgerichtlichen Kontroverse 30
1. Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (1975–1993) 31
a) Unterscheidung zwischen Maßstabs- und Subsumtionsteil 32
b) BVerfGE 39, 1 (1975) 35
aa) Maßstabsteil 35
bb) Subsumtionsteil 37
c) BVerfGE 88, 203 (1993) 38
aa) Kernaussagen 38
bb) Abweichung von der Vorgängerentscheidung: Anderer Maßstab oder anderer Fall? 39
(1) Maßstabsteil 39
(2) Subsumtionsteil 41
2. Die Judikatur des U. S. Supreme Court (1973 – 1992 – 2022) 45
a) Vorbemerkung: „Original Intent“ oder „Living Constitution“? 46
b) Roe vs. Wade (1973) 48
c) Planned Parenthood vs. Casey (1992) 51
d) Dobbs vs. Jackson Women’s Health Organization (2022) 55
III. Zwischenbilanz 60
C. Maßstäbe und Fälle 64
I. Karlsruher Klassiker 65
1. Verfassungsnormorientierte Maßstabstexte 66
a) BVerfGE 2, 1 (1952) und 5, 85 (1956) – Parteiverbote 66
b) BVerfGE 6, 32 (1957) – Elfes 67
c) BVerfGE 8, 51 (1958) – Parteienfinanzierung I 69
d) BVerfGE 12, 205 (1961) – Deutschland-Fernsehen 70
2. Verfassungsübergreifende Maßstabstexte 71
a) BVerfGE 1, 14 (1951) – Südweststaat 71
b) BVerfGE 7, 198 (1958) – Lüth 73
c) BVerfGE 7, 377 (1958) – Apotheken 75
d) BVerfGE 37, 271 (1974) – Solange I 77
e) BVerfGE 89, 155 (1993) – Gründung der Europäischen Union (Maastricht) 79
II. Entstehung und Textur der Maßstabsteile 81
III. Wirkung und Fortschreibung der Maßstabsteile 85
1. Dogmatisch-praktische Funktion 85
2. Volatilität der Maßstabsteile: Modifikation von Karlsruher Klassikern 86
D. Maßstabsverantwortung des Bundesverfassungsgerichts 90
I. Begründung: Offene Verfassung und verfassungsgerichtliche Maßstabsverantwortung 90
II. Emanationen der Maßstabsverantwortung 94
1. Rechtsförmige Maßstabsverantwortung 94
a) Einfach-rechtliche Rechtsbindung an Präjudizien, § 31 Abs. 1 BVerfGG 95
aa) Gegenstand der Bindung: Unterscheidung zwischen „tragenden Gründen“ und „obiter dicta“ 95
bb) Adressaten der Bindung 97
b) Rechtsbindung der Senate untereinander, § 16 BVerfGG 98
aa) Explizite Divergenzen 99
(1) BVerfGE 88, 203 – 96, 375, 409: „Kind als Schaden“ 99
(2) BVerfGE 152, 216 – 156, 182: Prüfungsmaßstab Unionsgrundrechte 102
bb) Implizite Divergenzen 104
(1) BVerfGE 108, 282 – 138, 296 – 153, 1: Kopftuchverbote im öffentlichen Dienst 104
(2) BVerfG, NJW 2018, 2312 – E 157, 30: Qualifizierte Betroffenheit bei der Verfassungsbeschwerde 108
(3) BVerfGE 153, 182 – 159, 223: Kontrolldichte bei Konflikten zwischen Persönlichkeitsrechten und Lebensschutz 110
c) Begrenzte Steuerungskraft rechtsförmiger Vorgaben für die Maßstabsverantwortung 115
2. Hermeneutische Maßstabsverantwortung 117
a) Maßstabsverlässlichkeit 117
aa) Behutsame Fortschreibung der Maßstäbe 117
bb) Veränderungen der Maßstäbe 119
b) Kontextualisierung der Maßstäbe 126
c) Zitierehrlichkeit 130
aa) BVerfG, NJW 2023, 1494 – Kinderehen 131
bb) BVerfGE 159, 223 – Bundesnotbremse I 132
cc) Fragwürdige Zitiertechnik bei Präjudizien 135
d) Maßstäbe-Audit 137
aa) Konsolidierung von Maßstabstexten 137
bb) Entfernung von Maßstabstexten 138
E. Lösung des Ausgangsfalls 143
I. Prüfungsschritte 143
1. Identifizieren: die maßgebliche(n) Referenzentscheidung(en) 143
2. Isolieren: die maßgeblichen Maßstäbe aus der Referenzentscheidung 147
3. Interpretieren: Verstehen und Transfer der Maßstäbe 150
II. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 07. 04. 2022 152
1. Beitragsrecht in der gesetzlichen Pflegeversicherung 152
a) Gleichbehandlung ungleicher Sachverhalte 152
b) Verfassungsrechtliche Rechtfertigung 153
c) Rechtsfolge: Nachteilsausgleich 155
2. Beitragsrecht in der gesetzlichen Rentenversicherung 157
3. Beitragsrecht in der gesetzlichen Krankenversicherung 160
4. Fazit: Maßstabswechsel im Kontext 162
F. Zusammenfassung in Thesen 166
Literaturverzeichnis 171
Sachverzeichnis 182