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Hübenthal, N. (2024). Selbstbelastungsfreiheit und Internal Investigations. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-59098-8
Hübenthal, Nils. Selbstbelastungsfreiheit und Internal Investigations. Duncker & Humblot, 2024. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-59098-8
Hübenthal, N (2024): Selbstbelastungsfreiheit und Internal Investigations, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-59098-8

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Selbstbelastungsfreiheit und Internal Investigations

Hübenthal, Nils

Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Vol. 319

(2024)

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About The Author

Nils Hübenthal studierte Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit dem Schwerpunkt Kriminalwissenschaften. 2019 absolvierte er die Erste juristische Prüfung und verfasste im Anschluss seine Dissertation, die er 2023 öffentlich verteidigte. Derzeit absolviert er den juristischen Vorbereitungsdienst in Wiesbaden.

Abstract

Internal Investigations sind mittlerweile als repressive Compliance-Maßnahme fest im Wirtschaftsleben integriert. Der Umgang mit den zentralen Mitarbeiterauskünften, insbesondere deren Verwertbarkeit im Strafprozess, bleibt jedoch weiterhin hoch umstritten. Der Autor befasst sich mit Konflikten zwischen arbeitsrechtlichen Auskunftsansprüchen und strafprozessualer Selbstbelastungsfreiheit. Dazu widmet er sich zunächst dem rechtlichen Fundament der Selbstbelastungsfreiheit und deren Reichweite sowie den Motiven, Möglichkeiten und Grenzen von Internal Investigations. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden wiederum die Grundlage für die umfassende Ausarbeitung einer Lösung für das Spannungsverhältnis zwischen erzwungenen Mitarbeiterauskünften einerseits und der Selbstbelastungsfreiheit andererseits. Anhand des gefundenen Lösungsansatzes setzt sich der Autor zudem kritisch mit dem Regierungsentwurf eines VerSanG aus dem Jahr 2020 auseinander, der erstmals Internal Investigations gesetzlich regeln sollte.»The Privilege Against Self-Incrimination and Internal Investigations«: The work deals with the still problematic handling of employee interviews in the context of internal company investigations. Based on a comprehensive presentation of the derivation and scope of the privilege against self-incrimination, the admissibility of compelled employee information in criminal proceedings is discussed in particular. On the basis of the solution approaches the regulations on internal investigations in the VerSanG-draft from 2020 are then critically evaluated.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 13
Einleitung 17
I. Problemaufriss 17
II. Aufgabenstellung 21
Teil 1: Selbstbelastungsfreiheit 24
A. Herleitung 24
I. Vorüberlegungen 24
1. Deduktive Auslegung 25
2. Historie 28
a) Rechtsgeschichtliche Entwicklung der Selbstbelastungsfreiheit 28
aa) England 28
bb) Deutschland 31
cc) Zusammenführung 34
b) Historie in der Auslegung 35
3. Einfluss Völkerrechtlicher Verfahrensgarantien 37
II. Geltungsgründe 40
1. Naturalistische Ansätze 41
a) Zum Bestehen eines Konflikts 41
b) Zur rechtlichen Anerkennung des Konflikts 43
2. Menschenwürdeorientierter Ansatz 48
a) Menschenwürde als rein objektives Prinzip 50
b) Selbstbelastung unter der Objektformel 51
aa) Kritik der Nichtanwendbarkeit auf Selbstbelastungen 51
bb) Kritik der Unbestimmtheit und Uferlosigkeit 53
cc) Begrenzung auf das Prinzipielle 54
3. Persönlichkeitsrechtliche Ansätze 57
a) Allgemeines Persönlichkeitsrecht 57
aa) Intimität strafrechtssensibler Informationen 58
bb) Intimität anhand eines Leib-Seele-Dualismus 62
b) Ehrschutz 64
c) Informationelle Selbstbestimmung 68
4. Verfahrensrechtliche Ansätze 72
a) Unschuldsvermutung 72
aa) Zur Schuldpräsumtion 73
bb) Zur Beweislastverteilung 74
b) Waffengleichheit 78
aa) Zur Hegemoniebewältigung 78
bb) Zum Partizipationsgedanken 81
c) Rechtliches Gehör 84
d) Fair trial 91
aa) Fair trial als integrales Recht 92
(1) Die konventionsrechtliche Sicht 92
(2) Die verfassungsrechtliche Bestätigung 93
(a) Integraler Rechtsstaat 93
(b) Fair trial-Verständnis des BVerfG 95
bb) Die Selbstbelastungsfreiheit als selbstständiges Teilrecht 96
(1) Historischer Beleg 98
(2) Einwände 99
(a) Hilfsgrundrecht 99
(b) Keine persönlichkeitsrechtliche Deutung 101
(c) Verfahrenslegitimierende Wirkung 102
(aa) Wahrheitsverständnis 102
(bb) Reichweite der Wahrheitsfindung 104
B. Inhalt 107
I. Schutzbereich 107
1. Zur Freiheit vor Belastungen 107
a) Begrenzung auf das Strafverfahren 107
b) Der Gegenstand der Belastung 111
aa) Die Engel-Kriterien 112
bb) Beispiel Ordnungswidrigkeitenrecht 114
2. Zur Selbstbewirkung 116
a) Aussagepflicht 117
b) Herausgabepflicht 117
c) Sonstige Pflichten 119
d) Problemlösende Aspekte 120
3. Personelle Komponente 122
a) Handhabung durch das BVerfG 122
b) Kritik 123
c) Begründung der Anwendbarkeit auf Verbände 124
d) Rechtstatsächliche Einwände 127
II. Eingriff 128
1. Zwangsbegriff 129
a) Strafprozessuale Rechtmäßigkeit 130
b) Rechtlicher Zwang 131
c) Finalität 134
2. Eingriffsbegriffe 135
3. Zweiaktigkeit 138
III. Rechtfertigung 139
1. Abwägung 140
a) Schwere der Tat 140
b) Beweisbedeutung 142
c) Natur des Beweises 144
2. Relative Absolutheit 146
Teil 2: Internal Investigations 148
A. Internal Investigations und ihre Gründe 150
I. Rechtliche Grundlagen der Internal Investigations 151
1. Aufklärungspflicht nach §§ 30, 130 OWiG 151
2. Gesellschaftsrechtliche Aufklärungspflicht 155
a) § 91 II AktG 156
b) §§ 76 I, 93 I 1 AktG 157
aa) Legalitäts- und Legalitätskontrollpflicht 157
bb) Tätigwerden des Aufsichtsrats bei Involvierung des Vorstandes 161
cc) Schadensabwendung 162
(1) Bußgeldreduzierung und -vermeidung 163
(2) Vergaberechtlicher Ausschluss 166
c) Business Judgment Rule 168
aa) Entscheidung über den Umgang mit interner Delinquenz 169
bb) Entscheidung über die Informationsbeschaffung 172
3. Ergebnis: Rechtspflicht 174
II. Faktische Motivlage und Zwecke hinter den Internal Investigations 175
1. Literaturposition zur Motivlage 175
2. Rechtstatsächliche Erkenntnisse 178
a) Ergebnisse der BKA-Studie 178
b) Ergebnisse der Noerr-Studie 182
c) Ergebnisse der DFG-Studie 182
d) Resultat 183
B. Mitarbeiterbefragung bei Internal Investigations 184
I. Arbeitnehmerbefragungen in der Praxis 185
II. Pflichten im Rahmen des Interviews 187
1. Erscheinenspflicht 187
2. Auskunftspflicht 188
a) Auskunft als Arbeitsleistung 188
b) Auskunft aus einer Geschäftsbesorgung 189
c) Auskunft aufgrund der Rücksichtnahmepflicht 192
3. Druckmittel 200
a) Zwangsvollstreckung 200
b) Zurückbehaltungsrecht 203
c) Kündigung 204
aa) Verletzung der Auskunftspflicht 204
bb) Kündigung wegen Verdachts 205
d) Schadensersatz 210
e) Zusammenfassung 215
4. Amnestien 216
Teil 3: Internal Investigations und Strafverfahren 224
A. Selbstbelastungsfreiheit des Arbeitnehmers 224
I. Verwertbarkeit nach Strafverfahrensrecht 225
1. Anwendbarkeit unter dem Aspekt der Vernehmungssituation 226
a) Verwertungsverbot aus unmittelbarer Anwendung des § 136a StPO 226
b) Verwertungsverbot aus analoger Anwendung des § 136a StPO 227
aa) Kritik 228
bb) Aussagedruck als strafbare Nötigung gemäß § 240 StGB? 230
cc) Restriktive Ausnahmelösung der herrschenden Meinung 232
2. StPO-Maßnahmen als Beweiskontingent 233
3. Thesen der Bundesrechtsanwaltskammer 236
II. Die Gemeinschuldnerentscheidung des BVerfG 238
1. Darstellung der Entscheidung 239
2. Methodische Mängel des Gemeinschuldnerbeschlusses 243
3. Parallele Judikatur des EGMR 244
4. Kritik an der Verfahrenstrennung 247
a) Zur Dichotomie von Privatem und Staatlichem 247
b) Trennung in präventive und repressive Aufklärung 250
III. Zurechnung 252
1. Strafrechtliche Modelle 252
2. Gezielte Untätigkeit 257
3. Verwaltungshelfer und Beliehener 261
4. Die Maßstäbe des EGMR 264
5. Die Maßstäbe des BGH 268
6. Fazit: Zurechnung als Teillösung 272
7. Zurechnungsähnliche Lösungsansätze 273
a) Staatlichkeit aufgrund der Vollstreckbarkeit des Auskunftsanspruchs 274
b) Staatlichkeit durch Zweckentfremdung der Vollstreckung 274
IV. Entsprechende Anwendung des Gemeinschuldnerbeschlusses 277
1. Planwidrige Regelungslücke 277
2. Vergleichbare Interessenlage 278
a) Fehlende Vergleichbarkeit aufgrund vertraglicher Grundlage 279
b) Fehlende Vergleichbarkeit mangels automatischer Weiterleitung 282
c) Fehlende Vergleichbarkeit aufgrund staatlicher Natur des Insolvenzverfahrens 282
d) Fehlende Vergleichbarkeit unter Aspekten der Durchsetzungskraft 283
aa) Zur Beschränkung auf rechtlichen Zwang 283
bb) Exkurs: Zwangsbegriff in der Rechtsprechung 288
cc) Weites Zwangsverständnis und die Arbeitnehmerinterviews 291
3. Generelle Kritik entsprechender Anwendungen 294
V. Eigener Ansatz 296
1. Zweiaktigkeit der Beeinträchtigung 296
2. Schutzpflicht für die Selbstbelastungsfreiheit 300
a) Begründung der Schutzpflicht 300
b) Kritik und Gegenkritik 307
c) Ergebnis 316
3. Reichweite des Verwertungsverbots 317
a) Fernwirkung 318
b) Früh- bzw. Vorwirkung 323
c) Widerspruchs- und Einwilligungsvorbehalte 328
d) Reflexhafte Drittwirkung 331
B. Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Integrität in der Wirtschaft 333
I. Kurzüberblick zur Gesetzesgeschichte 333
II. Lösungsweg des VerSanG-E 335
III. Bewertung des Entwurfs 339
1. Defizitäre Begründung 339
2. Anreizlösung als Schutzpflichterfüllung 342
a) Fehlender Anreiz 343
b) Gegenläufiger Anreiz von anderer Seite 346
c) Dysfunktionaler Anreiz 348
3. Verfassungskonforme Auslegung als Rettungsanker? 350
4. Ergebnis und Ausblick 352
C. Selbstbelastungsfreiheit des Verbandes bei internen Ermittlungen 354
I. Pflicht zu Internal Investigations als Beeinträchtigungsmoment 356
II. Kooperation als Beeinträchtigungsmoment 361
1. Herausgabe als kommunikativer Akt 361
2. Kooperationszwang 363
a) Strafprozessuale Verständigung und Sanktionsscherenverbot 365
b) Sanktionsschere bei Internal Investigations 376
Ergebniszusammenfassung 384
Literaturverzeichnis 391
Stichwortverzeichnis 428