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Wulf, P (2019). „Ma campagne diplomatique de l’été 1865“. Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 29(1-2), 107-126. https://doi.org/10.3790/fbpg.29.1-2.107
Wulf, Peter (2019). "„Ma campagne diplomatique de l’été 1865“" Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, vol. 29no. 1-2, 2019 pp. 107-126. https://doi.org/10.3790/fbpg.29.1-2.107
Wulf, P (2019). „Ma campagne diplomatique de l’été 1865“. Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Vol. 29 (Issue 1-2), pp 107-126. https://doi.org/10.3790/fbpg.29.1-2.107

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„Ma campagne diplomatique de l’été 1865“

Die Verhandlungen Gustav Graf Blomes mit Bismarck in Gastein Juli bis August 1865

Wulf, Peter

Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Vol. 29 (2019), Iss. 1-2 : pp. 107–126

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Peter Wulf, Grettorf

Abstract

Die Gegensätze zwischen Österreich und Preußen waren im Laufe des Jahres 1865 so tiefgreifend geworden, dass auf beiden Seiten offen von einem möglichen Krieg zwischen beiden Mächten gesprochen wurde. Mit diesem Krieg sollte die endgültige Entscheidung über die Rolle Preußens und Österreichs in Deutschland gefällt werden. Allerdings waren die Voraussetzungen für einen solchen Krieg bei beiden Mächten sehr unterschiedlich. Zwar hatten die politisch Verantwortlichen in beiden Ländern weitgehende innenpolitische Schwierigkeiten, aber die materiellen Voraussetzungen für einen Krieg waren in Preußen und Österreich sehr unterschiedlich. Österreich war finanziell erschöpft, neue Mittel waren nicht zu erwarten, und ein Kriegsgang würde scheitern. Preußen hatte seine finanziellen Dinge gerade geregelt – wenn auch ohne Beschluss des Landtages, die Rüstungen waren nach Auskunft der Militärs zufriedenstellend, und bei den Verantwortlichen war der Wille zu einem Waffengang durchaus vorhanden.

Es kam aber noch zu einem Aufschub der kriegerischen Auseinandersetzung. Auf beiden Seiten gab es immer noch eine gewisse monarchische Solidarität, gegen den jeweils anderen Monarchen im Deutschen Bund zu Felde zu ziehen. Auf preußischer Seite kam noch die Überlegung hinzu, ob die Probleme in diesem „Randgebiet“ Schleswig-Holstein wirklich geeignet seien, darum einen Krieg zu führen. Die Auffassung war: jetzt nicht.

Zu fragen ist auch: warum Blome? Es muss den Verantwortlichen in Wien doch klar gewesen sein, dass angesichts der angespannten Lage im Sommer 1865 von diesen Verhandlungen viel abhängen würde und dass man – jedenfalls um die Gleichheit der Verhandlungspartner herzustellen – eine bedeutendere Persönlichkeit aus Wien hätte entsenden müssen. Warum also Blome – Vertreter Österreichs in einem deutschen Teilstaat und lange Jahre fern der österreichischen offiziellen Außenpolitik? Aus dem einleitenden Schreiben Altenbourgs an Blome geht hervor, dass auch an andere Verhandlungsteilnehmer gedacht worden ist, diese aber nicht zum Zuge kamen oder sogar wohl nicht kommen wollten. Hinzu kam andererseits, dass Blome selbst aus Schleswig-Holstein stammte und man annahm, dass er sich mit den Verhältnissen dort auskannte – was nach fünfzehn Jahren Abwesenheit aus dem Lande nicht mehr zutraf. Blome selbst war nicht begeistert von diesem Auftrag, fügte sich aber dem kaiserlichen Wunsch.

In den Verhandlungen – so schildert es Blome – zeigte Bismarck ein dominant-aggressives Verhalten, war sehr wandelbar und flexibel in seinen Argumenten, blieb aber in bestimmten Positionen ganz fest (Ablehnung des Augustenburgers). Bismarck seinerseits machte sich über Blomes „veraltete byzantinisch-jesuitische Unterhandlungsmethode mit Kniffen und Schlichen“ lustig. Unterlegen war Blome Bismarck ohne Zweifel in der Beurteilung der Verhältnisse in Schleswig-Holstein. Während Bismarck immer wieder fast larmoyant auf die Haltung der Schleswig-Holsteiner gegenüber den Preußen hinwies, versäumte es Blome, dies nur als Reaktion auf das autoritär-einseitige Verhalten vor allem des preußischen Militärs darzustellen. Allerdings gewann Blome dann wieder einen Verhandlungsfreiraum, als er Ende Juli drohte, ohne Verhandlungsergebnis abzureisen.

Im Wiener Frieden vom Oktober 1864 war ein österreichisch-preußisches Kondominium in Schleswig-Holstein errichtet worden, doch hatte es bald Streitereien über das jeweilige Verhalten im Rahmen dieses Kondominiums ergeben. Bismarck und Blome hatten Ende Juli 1865 im ersten Verhandlungsabschnitt eine definitive Teilung der Souveränität vorgeschlagen. Bei den anschließenden Beratungen Anfang August in Wien drängte Biegeleben darauf, die Teilung in eine Verwaltung mit provisorischem Charakter umzuändern unter Fortdauer der gemeinsamen Oberhoheit der beiden Mächte über die Herzogtümer. Bismarck erkannte das Provisorium im zweiten Verhandlungsabschnitt ohne Widerspruch an, doch war abzusehen, dass beide Mächte damit jeweils ganz eigene Absichten verbanden.

War Preußen und Österreich im Wiener Frieden von 1864 nur eine provisorische treuhänderische Verwaltung der Herzogtümer zugewiesen worden, wurde die in Gastein getroffene Regelung nun zu einem Akt der Souveränität der beiden Mächte. Das stieß auf Proteste und Gegenmaßnahmen im Bundestag und in der deutschen Öffentlichkeit, doch konnten sich diese Aktionen nicht durchsetzen. Auch ein Vermittlungsversuch im Mai 1866 scheiterte. Eine endgültige Entscheidung in der schleswig-holsteinischen Frage fiel erst nach dem preußisch-österreichischen Krieg im Prager Frieden vom 23. August 1866, nach dem die Rechte Österreichs auf Schleswig-Holstein auf Preußen übergingen. Am 24. Dezember 1866 wurde Schleswig-Holstein Teil der preußischen Monarchie, und am 12. Januar 1866 wurde durch das „Besitzergreifungspatent“ die Eingliederung abgeschlossen. Schleswig-Holstein war preußische Provinz.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
„Ma campagne diplomatique de l’été 1865” 107
Die Verhandlungen Gustav Graf Blomes mit Bismarck in Gastein Juli bis August 1865 107
Einleitung 107
Gustav Graf Blome – Biographie bis 1865 108
Die Quelle 110
Österreich und Preußen – die Spannungen steigen 112
Berufung und Auftrag 114
Die erste Verhandlungsrunde in Gastein: 27. bis 31. Juli 1865 107
Die österreichischen Verhandlungen in Wien: 3. bis 8. August 1865 107
Die zweiten Verhandlungen: 8. bis 14. August 1865 107
Zusammenfassung 107