Menu Expand

Cite JOURNAL ARTICLE

Style

Schmerr, M (2021). Finanzielle Bildung: Lobbyistischer „Kampf um die Köpfe“ oder Verwirklichung eines umfassenden Bildungsanspruchs?. Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, 90(1), 95-106. https://doi.org/10.3790/vjh.90.1.95
Schmerr, Martina (2021). "Finanzielle Bildung: Lobbyistischer „Kampf um die Köpfe“ oder Verwirklichung eines umfassenden Bildungsanspruchs?" Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, vol. 90no. 1, 2021 pp. 95-106. https://doi.org/10.3790/vjh.90.1.95
Schmerr, M (2021). Finanzielle Bildung: Lobbyistischer „Kampf um die Köpfe“ oder Verwirklichung eines umfassenden Bildungsanspruchs?. Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Vol. 90 (Issue 1), pp 95-106. https://doi.org/10.3790/vjh.90.1.95

Format

Finanzielle Bildung: Lobbyistischer „Kampf um die Köpfe“ oder Verwirklichung eines umfassenden Bildungsanspruchs?

Schmerr, Martina

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Vol. 90 (2021), Iss. 1 : pp. 95–106

Additional Information

Article Details

Author Details

Martina Schmerr, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

  • Martina Schmerr arbeitet als Referentin im Vorstandsbereich Schule des Hauptvorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Nach ihrem Studium der Germanistik, Pädagogik, Politik- und Filmwissenschaften arbeitete sie mehrere Jahre als Medienpädagogin sowie als Jugendbildungsreferentin in einem Jugendverband, bis sie schließlich zur GEW wechselte. Hier bearbeitet sie eine breite Palette schulpolitischer und pädagogischer Themen. Ökonomische Bildung, Privatisierung und Lobbyismus sowie Berufs- und Arbeitsweltorientierung gehören zu ihren Schwerpunkten.
  • Email
  • Search in Google Scholar

References

  1. AVL Finanzvermittlung (2016): GfK-Studie – Finanzbildung: Jeder 2. fordert mehr Unterricht. Pressemeldung vom 1. 3. 2016. https://www.avl-investmentfonds.de/pressemitteilungen/GfK-Studie+-+Finanzbildung%3A+Jeder+2.+fordert+mehr+Unterricht (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  2. Bankenverband (2015): Jugendstudie 2015 _ Wirtschaftsverständnis, Finanzkultur und Digitalisierung. GfK Marktforschung, Nürnberg, im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken. https://bankenverband.de/newsroom/meinungsumfragen/jugendstudie-2015-wirtschaftsverstaendnis-finanzkultur-und-digitalisierung/ (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  3. DGB – Deutscher Gewerkschaftsbund (2012): Wirtschaft in der Schule – Was sollen unsere Kinder lernen? Positionspapier, beschlossen vom Bundesvorstand am 04. 09. 2012. https://www.gew.de/schule/oekonomische-bildung/dgb-beschluss-wirtschaft-in-der-schule-was-sollen-unsere-kinder-lernen/ (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  4. DIA – Deutsches Institut für Altersvorsorge (2019): „Virtuelle Litfaßsäule“ als Hilfe zur Selbsthilfe. Pressemeldung vom 10. 12. 2019. https://www.dia-vorsorge.de/presse/virtuelle-litfasssaeule-als-hilfe-zur-selbsthilfe/ (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  5. Engartner, Tim (2018): Interview im Rahmen der Expertenserie „Lobbyismus im Klassenzimmer“. BEGEGNUNG 2/2018, 50 – 53.  Google Scholar
  6. Engartner, Tim (2019): Wie DAX-Unternehmen Schule machen. Lehr- und Lernmaterial als Türöffner für Lobbyismus. OBS-Arbeitsheft 100, Otto Brenner Stiftung, Frankfurt am Main. https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AH100_Lobbyismus_Schule.pdf (abgerufen am 4. 02. 2021).  Google Scholar
  7. Engartner, Tim, Gerd-E. Famulla, Andreas Fischer, Christian Fridrich, Harald Hantke, Reinhold Hedtke, Birgit Weber, Bettina Zurstrassen (2019): Was ist gute ökonomische Bildung? Leitfaden für den sozioökonomischen Unterricht. Autoren/Hrsg.: Autorengruppe Sozioökonomische Bildung. Reihe Ökonomie unterrichten. Frankfurt am Main, Wochenschau.  Google Scholar
  8. Famulla, Gerd-E., Andreas Fischer, Reinhold Hedtke, Birgit Weber, Bettina Zurstrassen (2011): Bessere ökonomische Bildung: problemorientiert, pluralistisch, multidisziplinär. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 12, 48 – 54.  Google Scholar
  9. FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung (2015): Wie ein Tweet eine Bildungsdebatte auslösen konnte. 16. 1. 2015. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/naina-debatte-wie-ein-tweet-eine-bildungsdebatte-ausloesen-konnte-13372015.html (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  10. Fey, Carl-Christian, Eva Matthes und Dominik Neumann (2015): Schulische Bildungsmedien zwischen staatlicher Steuerung und „freier“ Selbstregulation. DDS – Die Deutsche Schule, 107 (1), 20 – 35.  Google Scholar
  11. GEI – Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung (2007): Unternehmer und Staat in europäischen Schulbüchern. Deutschland, England und Schweden im Vergleich. Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Dezember 2007. http://www.gei.de/fileadmin/gei.de/pdf/abteilungen/europa/Unternehmer-Staat-Studie.pdf (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  12. GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (2020): Lobby-Check: Für eine werbe- und lobbyismusfreie Schule. August 2020. https://schule.dgb.de/materialien/++co++7cadebde-3624-11eb-8b28-001a4a160127 (abgerufen am 26. 02. 2021).  Google Scholar
  13. Gökbudak, Mahir und Reinhold Hedtke (2018): Wirtschaft gut – Politik mangelhaft. Ökonomische und politische Bildung in der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Didaktik der Sozialwissenschaften Working Papers. Vol 8 1st ed. Bielefeld: Universität Bielefeld. https://pub.uni-bielefeld.de/publication/2932554 (abgerufen am 26. 02. 2021).  Google Scholar
  14. Hedtke, Reinhold (2018a): Anpassen oder aufklären? Finanzerziehung und sozioökonomische Bildung. GW Unterricht 152 (4). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 14 – 30. https://austriaca.at/?arp=0x003a1b52 (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  15. Hedtke, Reinhold (2018b): Das sozioökonomische Curriculum. Reihe Sozioökonomische Bildung; 1. Frankfurt/Main, Wochenschau.  Google Scholar
  16. Hedtke, Reinhold, Patrick Kahle, Henning Middelschulte und Detlef Sack (2019): Die politisch-ökonomische Schulbildung muss dringend reformiert werden. Makronom. Online-Magazin für Wirtschaftspolitik, 26. 3. 2019. https://makronom.de/die-politisch-oekonomische-schulbildung-muss-dringend-reformiert-werden-30276 (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  17. Hippe, Thorsten (2011): Lernen in der Grauzone zwischen Bildung und Werbung? Zur Notwendigkeit einer kritischen Finanzbildung. In: Retzmann, Thomas (Hrsg.): Finanzielle Bildung in der Schule. Schwalbach/Ts., Wochenschau-Verlag, 61 – 75.  Google Scholar
  18. Hoch im Kurs (2012): Grundbildung für die Sekundarstufe II. Lehrerheft 2012/2013. Hrsg.: Stiftung Jugend und Bildung, Berlin, in Zusammenarbeit mit dem BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.  Google Scholar
  19. INSM – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (2019): Ökonomische Bildung. Schulkinder lernen zu wenig über den Umgang mit Geld. Pressemeldung vom 9. 8. 2019. https://www.insm.de/insm/presse/pressemeldungen/oekonomische-bildung-schulkinder-lernen-zu-wenig-ueber-den-umgang-mit-geld (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  20. IW – Institut der deutschen Wirtschaft (2011): Ökonomie: Unbefriedigend. Pressemeldung Nr. 18 vom 18. 5. 2011. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2011/62998/PM_18_Schulbuchanalyse.pdf (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  21. Kaske, Fabian und Felix Duffy (2018): Lobbyismus an Schulen. Einflussnahme auf den Unterricht und was man dagegen unternehmen kann. LobbyControl – Initiative für Transparenz und Demokratie e.V., Köln. https://www.lobbycontrol.de/wp-content/uploads/Lobbyismus_an_Schulen.pdf#pk_campaign=Schulstudie (abgerufen am 4. 02. 2021).  Google Scholar
  22. Lenz, Justus (2010): Darstellung von Marktwirtschaft und Unternehmertum in Schulbüchern in Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz. Durchgeführt vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut in Kooperation mit der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt im Auftrag des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. https://www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Zweigniederlassung_Thueringen/Produkte/Studien/Studie_Schulbuecher_Marktwirtschaft.pdf (abgerufen am 26. 02. 2021).  Google Scholar
  23. Mohr, Daniel (2014): Finanzielle Analphabeten. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. 2. 2014. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bildung-finanzielle-analphabeten-12820603.html (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  24. MSB – Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2020): Ministerin Gebauer: Grundkenntnisse in Wirtschaft und Informatik sind unverzichtbar. Einführung der Fächer Wirtschaft und Informatik an allen Schulformen. Pressemeldung vom 12. 3. 2020. https://www.schulministerium.nrw.de/presse/pressemitteilungen/ministerin-gebauer-grundkenntnisse-wirtschaft-und-informatik-sind (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  25. Neumaier, Peter (2012): Einige Überlegungen zur ‚finanziellen Allgemeinbildung‘ in Zeiten der Finanzkrise. Pädagogische Korrespondenz, 46, 56 – 73.  Google Scholar
  26. OECD (2013): Advancing National Strategies for Financial Education. Summary, September 2013. http://www.oecd.org/finance/financial-education/G20_OECD_NSFinEd_Summary.pdf (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  27. Verband Bildungsmedien (2012): Kostenloses Lehrmaterial aus dem Internet: Wird Schule zum Spielball der Lobbyisten? Pressemeldung vom 11. 10. 2012. https://bildungsklick.de/schule/detail/kostenloses-lehrmaterial-aus-dem-internet-wird-schule-zum-spielball-der-lobbyisten (abgerufen am 26. 02. 2021).  Google Scholar
  28. VZBV – Verbraucherzentrale Bundesverband (2012): Qualitätsanalyse von Unterrichtsmaterialien anhand des „Materialkompass Verbraucherbildung“. Mai 2012. https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Bewertungen-Unterrichtsmaterialien-Analyse-2012-05.pdf (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  29. VZBV – Verbraucherzentrale Bundesverband (2014): Unterrichtsmaterial unter der Lupe. Wie weit geht der Lobbyismus in Schulen? Eine Qualitätsanalyse von Lehrmaterialien verschiedener Anbieter und Interessensvertreter des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). 30. 01. 2014. https://www.verbraucherbildung.de/sites/default/files/downloads/2014-01-30_unterrichtsmaterialien_unter_der_lupe_korr.pdf (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  30. VZBV – Verbraucherzentrale Bundesverband (2020): Keine Werbung in der Schule. Aktivitäten von Wirtschaft im Bildungsbereich wirksam begrenzen und kontrollieren. Positionspapier der Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverbands e.V., 5. 03. 2020. https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2020/03/11/20-03-05_wirtschaft_in_schule_ak_vz_positionspapier_und_anhang.pdf; (abgerufen am 29. 12. 2020).  Google Scholar
  31. Weber, Birgit (2017): Finanzielle Bildung in der Sekundarstufe I: curriculare Verankerung und Herausforderungen. DIW Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, 86 (3), 27 – 39.  Google Scholar
  32. Weber, Birgit (2018): Ökonomische Bildung in der Sekundarstufe. Eine curriculare Analyse ihrer Relevanz, Inhalte und Kompetenzerwartungen. Frankfurt am Main, Wochenschau Verlag.  Google Scholar

Abstract

Zusammenfassung: Die finanzielle Bildung an Schulen ist umstritten. Zum einen weil sie zum Spielfeld für lobbyistische Interessen gerät, zum anderen weil sich auch prinzipiell die Frage stellen lässt, welche (Einzel)‌Themen einen herausgehobenen und eigenständigen Ort im Stundenplan haben müssen. Das Thema ruft auch deshalb schulpolitisch und schulpädagogisch begründbare Vorbehalte auf den Plan, weil die Themen und Dimensionen vieler vorliegender Studien, Unterrichtsmaterialien oder Bildungskonzeptionen von einem sehr einseitigen Verständnis ökonomischer Bildung, einem reduzierten Bildungsverständnis und funktionalistischen Zuschreibungen an den schulischen Bildungsauftrag zeugen. Ökonomische (und finanzielle) Probleme sind hingegen stets in Beziehung zu gesellschaftlichen und persönlichen Schlüsselproblemen zu sehen, statt sie einseitig oder monodisziplinär zu behandeln und Schüler*innen auf ihre Rolle als Konsument*innen oder Kund*innen zu reduzieren. Ökonomische und finanzielle Bildung müssen ausgewogen, multiperspektivisch, kontrovers und schülerorientiert sein und zugleich Politik und Wirtschaft, sozialwissenschaftliche und ökonomische Bezüge sinnvoll verbinden. Das gelingt am besten im Rahmen einer sozioökonomischen Bildung.

Summary: Financial education in schools is controversial. On the one hand, because it becomes a playing field for lobbyist interests, and on the other hand, because the question can be raised in principle as to which (individual) topics should have a prominent and independent place in the curriculum. The topic also raises reservations that can be justified in terms of school policy and pedagogy, because the topics and dimensions of many existing studies, teaching materials or educational concepts testify to a very one-sided understanding of economic education, a reduced understanding of education and functionalist attributions to the school’s educational mission. Economic (and financial) problems, on the other hand, should always be seen in relation to key societal and personal problems, instead of treating them in a one-sided or monodisciplinary way and reducing students to their role as consumers or customers. Economic and financial education must be balanced, multi-perspective, controversial and student-oriented, and at the same time meaningfully combine politics and economics, social science and economic references. This is best achieved within the framework of socio-economic education.