Menu Expand

Heimarbeit: Ansatzpunkt für Soziale Sicherung in Zeiten der Digitalisierung? Von der „Lex Behm“ 1922 zu aktuellen genderspezifischen Handlungserfordernissen aufgrund der Digitalisierung

Rust, Ursula

Sozialer Fortschritt, Vol. 71 (2022), Iss. 1: pp. 53–78

Additional Information

Article Details

Pricing

Author Details

Rust, Prof. Dr. Ursula, bigas Bremer Institut für Gender-, Arbeits- und Sozialrecht, Universitätsallee, GW 1, 28359 Bremen.

References

  1. Bajohr, S. (1979): Die Hälfte der Fabrik, Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914 bis 1945, Marburg.  Google Scholar
  2. Beier, R. (1983): Frauenarbeit und Frauenalltag im Deutschen Kaiserreich. Heimarbeiterinnen in der Berliner Bekleidungsindustrie 1880–1914. Frankfurt a.M./New York.  Google Scholar
  3. Brenke, K. (2014): Heimarbeit: Immer weniger Menschen in Deutschland gehen ihrem Beruf von zu Hause aus nach, in: DIW Wochenbericht, S. 131–139.  Google Scholar
  4. Brenke, K. (2016): Home Office: Möglichkeiten werden bei weitem nicht ausgeschöpft, in: DIW Wochenbericht 5, S. 95–105.  Google Scholar
  5. Born, K. (1987): Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik; 1967 bis 1914, Stuttgart.  Google Scholar
  6. Brock, M. (2021): Soloselbständige als Heimarbeiter? öAT, S. 161–164.  Google Scholar
  7. Dyhrenfurth, G. (1905): Die weibliche Heimarbeit, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, III, 29, S. 21–42.  Google Scholar
  8. Forster, B. (2017): Das Staatsverständnis der christlich-nationalen Gewerkschaften vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik, in: Ruck, M. (Hrsg.), Gegner – Instrument – Partner, gewerkschaftliche Staatsverständnisse vom Industrialismus bis zum Informationszeitalter, Baden-Baden, S. 43–64.  Google Scholar
  9. Gaebel K./von Schulz, M. (1917), Die Heimarbeit im Kriege, Berlin.  Google Scholar
  10. Gerhard, U. (2019): Zwischen Recht und Gewalt – die Internationale Frauenstimmrechtsbewegung um 1900 und wie wir sie erinnern, in: CGC online papers, Band 3: Schmidbaur, M./Wischermann, U. (Hrsg.): Feministische Erinnerungskulturen. 100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung. Frankfurt am Main 2019, S. 13–29.  Google Scholar
  11. Hansen, E. et al. (2018): Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945, Kassel.  Google Scholar
  12. International Labour Office, World Employment and Social Outlook (2021): The Role of Digital Labour Platforms in Transforming the World of Work, Genf, https://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---dgreports/---dcomm/---publ/documents/publication/wcms_771749.pdf [03.10.2021].  Google Scholar
  13. Kastenbauer, N. (2020): LSG Hessen: Sozialversicherungspflicht eines Programmierers in Heimarbeit, Anmerkung, FD-SozVR 4335000.  Google Scholar
  14. Keller, M. (2018): Pionierinnen der empirischen Sozialforschung im Wilhelminischen Kaiserreich, Stuttgart.  Google Scholar
  15. Kielkowski, J./Happ, D. (2015): Arbeitnehmerstatus eines Programmentwicklers im Home-Office, jurisPR-ArbR 46/2015 Anm. 3.  Google Scholar
  16. Kocka, J. (1990): Arbeitsverhältnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassenbildung im 19. Jahrhundert, in: Gerhard Ritter (Hrsg.), Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, Bd. 2, Bonn 1990.  Google Scholar
  17. Kohlrausch, B./Zucco, A. (2020): Corona-Krise trifft Frau N doppelt. Weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit, WSI Policy Brief Nr. 40, 05/2020, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_40_2020.pdf [03.11.2021].  Google Scholar
  18. König, R. (2017): Zwischen Ausbeutung, Förderung und Reglementierung: Textile Kriegsheimarbeit in Deutschland 1914 bis 1918. Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2017, 58 (2), S. 537–582.  Google Scholar
  19. Maus, W. (1959): Beteiligung von Ausschüssen an Verwaltung und Normsetzung im Arbeitsrecht, in: Sozialreform und Sozialrecht, Festschrift für Walter Bogs, Berlin, S. 169–188.  Google Scholar
  20. Maus, W. (1963), Das Adressenschreiben als Heimarbeit, in: AP Nr. 3 zu § 2 HAG.  Google Scholar
  21. Otten, A. (1995): Heimarbeit – ein Dauerrechtsverhältnis eigener Art, in: NZA 1995, S. 289–296.  Google Scholar
  22. Otten, A. (2017): Heimarbeitsrecht, Kommentar zum HAG, zu heimarbeitsrelevanten Normen und Erläuterungen zur Teleheimarbeit, 6. Auflage (online).  Google Scholar
  23. Paprotny, R. (2021): Von der Heimarbeit ins Homeoffice. Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Mitbestimmungsreport Nr. 67, 10.2021, Düsseldorf, https://www.boeckler.de/fpdf/HBS-008139/p_mbf_report_2021_67.pdf, [03.11.2021].  Google Scholar
  24. Preis, U. (2021): HAG § 1 Geltungsbereich Rn. 1, in: Müller-Glöge/Preis/Schmidt, Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht, 21. Auflage.  Google Scholar
  25. Ratz, U. (1994): Zwischen Arbeitsgemeinschaft und Koalition. Bürgerliche Sozialreformer und Gewerkschaften im Ersten Weltkrieg, München.  Google Scholar
  26. Reidegeld, E. (1996): Staatliche Sozialpolitik in Deutschland. Historische Entwicklung und theoretische Analyse in Deutschland von den Ursprüngen bis 1918, Opladen.  Google Scholar
  27. Reinhard, B. (2017): Die Renaissance des Heimarbeitsvertrags: Eine Antwort auf zunehmende Flexibilisierungswünsche der Beschäftigten? juris Literaturhinweis zu Reinhard, ArbRB 2017, S. 161–164.  Google Scholar
  28. Reinhardt-Kasperek, S./Domni, K. (2018): Arbeiten im Homeoffice (Teil 1): Was ist vorab zu beachten? SPA, 2012, S. 125–128.  Google Scholar
  29. Ruck, M. (Hrsg.) (2017): Gegner – Instrument – Partner, gewerkschaftliche Staatsverständnisse vom Industrialismus bis zum Informationszeitalter, Baden-Baden.  Google Scholar
  30. Rust, U. (2019): Beruf, institutionelle Ordnung und Digitalisierung: Die Herausforderungen für Arbeitsrecht, Sozialrecht und Sozialpartner, in: Lange, J./Wegner, G., Beruf 4.0. Eine Institution im digitalen Wandel, Baden-Baden, S. 135–171.  Google Scholar
  31. Schmick, H. (1967): Die Amtsklage als neue Möglichkeit der Durchsetzung des Arbeitnehmerschutzes, dargestellt am Beispiel des § 25 Heimarbeitsgesetz, Univ. Diss., Druck. Gouder und Hansen, Köln.  Google Scholar
  32. Schmitt, S. (1995): Der Arbeiterinnenschutz im deutschen Kaiserreich: zur Konstruktion der schutzbedürftigen Arbeiterin, Stuttgart/Weimar.  Google Scholar
  33. Schnaus, J. (2017): Kleidung zieht jeden an, Die deutsche Bekleidungsindustrie 1918–1973, Oldenbourg.  Google Scholar
  34. Schneider-Dörr, A. (2021): Crowd Work und Plattformökonomie: Eine arbeitsrechtliche Fallstudie, Baden-Baden.  Google Scholar
  35. Schöck-Quinteros, E. (1998): Heimarbeiterschutz für „die Mütter des arbeitenden Volkes“. Deutschland 1896–1914, in: L’Homme Ζ. F. G. 9,2, S. 183–215.  Google Scholar
  36. Schönhoven, K. (2017): Soziale Gerechtigkeit als reformpolitische Perspektive, Zum Staatsverständnis der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbewegung 1848 bis 1914, in: Ruck, M. (Hrsg.), Gegner – Instrument – Partner, gewerkschaftliche Staatsverständnisse vom Industrialismus bis zum Informationszeitalter, Baden-Baden, S. 21–42.  Google Scholar
  37. Sebaldt, M. (1991): Heimarbeit und Politik, zur Bedeutung dezentraler Arbeitsplätze im deutschen Wirtschaftsleben und zur Entstehungsgeschichte des Heimarbeitsgesetzes vom 14.03.51, S. 183–187.  Google Scholar
  38. Stäbler, P.-G. (2020), Sozialversicherungspflicht eines Programmierers in Heimarbeit, NZA, S. 775–776.  Google Scholar
  39. Stühmer, H. (1916): Soziale Maßnahmen der Militärbehörden, Sozialistische Monatshefte 22/2, S. 101–106.  Google Scholar
  40. Teutsch, A. (1951): Die Heimarbeit im Sozialversicherungsrecht, RdA, S. 325–331.  Google Scholar
  41. VBG (2017): Telearbeit. Gesundheit, Gestaltung, Recht, https://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Broschuere/Themen/Bildschirm_und_Bueroarbeit/Telearbeit.pdf?__blob=publicationFile&v=7, [03.11.2021].  Google Scholar
  42. Verein für Socialpolitik (1899): Hausindustrie und Heimarbeit in Deutschland und Österreich, I–IV, Leipzig.  Google Scholar
  43. Werner, N./Fausel, M./Bitsch, C. (2021): Selbständige IT-Entwickler als Heimarbeiter: Fiktionen, Friktionen und eine folgenreiche Verkehrung in Gegenteile, NZA, S. 991–996.  Google Scholar
  44. Zucco, A./Lott, Y. (2021), Stand der Gleichstellung. Ein Jahr nach Corona. WSI Report Nr. 64, Düsseldorf, https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-007964.  Google Scholar

Abstract

Die Digitalisierung hat die Möglichkeiten, Erwerbsarbeit von zu Hause aus nachzugehen erweitert. Dadurch drohen Lücken in der sozialen Sicherung. Frauen sind von diesem Risiko besonders betroffen, da sie u.a. aufgrund ihres höheren Anteils an der Erbringung häuslicher Care-Arbeit der Erwerbsarbeit häufiger von zu Hause nachgehen. Die Problematik ist aber nicht neu: Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurden gesetzliche Regelungen zur sozialen Sicherung von Heimarbeit eingeführt. Der Aufsatz untersucht die Entstehungsgeschichte und Weiterentwicklung der sozialen Sicherung von Heimarbeit einschließlich notwendiger Anpassungen an die elektronische Arbeitsweise der Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung um zu klären, ob die vom „Homeoffice“ der abhängigen Beschäftigung und von der Selbständigkeit zu unterscheidende Heimarbeit ein Ansatzpunkt zur Schließung ­digitalisierungsbedingter Lücken der sozialen Sicherung sein kann.

Abstract: Home Work: Starting Point for Social Security in the Age of Digitization? From “Lex Behm” 1922 to Current Gender-Specific Action Requirements due to Digitization

Digitization has expanded the possibilities of working from home. This leads to the risks of gaps in social security. Women are particularly affected by these risks because they, amongst others due to their higher share in the provision of care work, do work more often from home. The problem is not new, however: legal regulations for social security for homework were therefore introduced as early as in the 2020s. The article examines the history and development of social security for homework in order to clarify whether homework, which is to be distinguished from the “home office” of dependent employment and self-employment, can be a starting point for closing gaps in social security caused by digitization.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Ursula Rust: Heimarbeit: Ansatzpunkt für Soziale Sicherung in Zeiten der Digitalisierung? Von der „Lex Behm“ 1922 zu aktuellen genderspezifischen Handlungserfordernissen aufgrund der Digitalisierung 1
Zusammenfassung 1
Abstract: Home Work: Starting Point for Social Security in the Age of Digitization? From “Lex Behm” 1922 to Current Gender-Specific Action Requirements due to Digitization 1
1. Häusliche Erwerbsarbeit, unbezahlte Sorgearbeit und die Gleichstellung von Frauen und Männern: Entwicklung der Herausforderungen aufgrund von Digitalisierung und COVID-19 2
2. Was ist Heimarbeit – und wie unterscheidet sich der rechtliche Begriff vom landläufigen Sprachgebrauch? 6
2.1 Telearbeit und mobile Arbeit 7
2.2 Heimarbeit 8
3. Heimarbeit: die Anfänge und Geschichte ihrer Regulierung 1
3.1 Auf dem Weg zum Sozialversicherungsschutz der Heimarbeit 1
3.2 Gesetz über die Versicherung der Hausgewerbetreibenden von 1922 und das Heimarbeiterlohngesetz von 1923 1
4. Überblick zum geltenden Heimarbeitsrecht 1
5. Sozialversicherungsschutz mit Entgeltschutz anwendbar auch für qualifizierte digital geleistete Heimarbeit 1
5.1 Zu den beiden Verfahren 1
5.2 Zu möglichen Folgen 1
6. Digitale Informationsportale für die Beteiligten 2
7. Handlungserfordernisse aufgrund der Digitalisierung? 2
Literatur 2