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Königliche Gewalt - Gewalt gegen Könige

Macht und Mord im spätmittelalterlichen Europa

Editors: Kintzinger, Martin | Rogge, Jörg

Zeitschrift für Historische Forschung. Beihefte, Vol. 33

(2004)

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Abstract

Stets läßt ein politischer Mord einen bereits bestehenden Konflikt eskalieren, indem er den Rahmen des Konflikthandelns übersteigt und den Konflikt durch Ausschalten eines der Streitgegner scheinbar einer "Lösung" zuführt. Für das späte Mittelalter fragt sich: Wie wirkte Gewalt gegen die Herrschaft auf die Monarchie ein, vor allem angesichts deren zunehmender Verrechtlichung und Staatswerdung? Wie veränderte sich die Gewalt als Konstituens von Herrschaft in diesem Prozeß?

Gegen fürstliche Herrschaft gerichtete Gewalt, wenn sie sich geregelt und in feststehenden Formen zeigte, mußte stets Ausdruck sein für divergierende, legitime Interessen. Gewalt der Herrschaft selbst, wenn sie auch ihrerseits feststehenden Regeln und Formen folgte, war stets ein Instrument legitimer Herrschaft und hatte allen Anschein der Tyrannei zu vermeiden. Ordnung und Kontrolle statt Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten ist das Schlagwort. Zählte aber der politische Mord noch zu den geregelten Konfliktformen, oder ging er schon darüber hinaus und ließ sogar Spuren modernen Utilitarismus erkennen? Ist das Europa des 14. und 15. Jahrhunderts in seiner Herrschaftsstruktur also dominiert worden von einer Tradition "aus dem Geist der Gewalt" oder von einer Vision der Gewaltenkontrolle, die in Fürstenspiegeln und politischer Traktatliteratur seit langem vorbereitet worden war?

In den Beiträgen des vorliegenden Sammelbandes soll es um eine Analyse des Einzelfalls und um einen Vergleich der europäischen Monarchien gehen: des römisch-deutschen Reiches, des Königreichs Böhmen und der angrenzenden ostmitteleuropäischen Reiche sowie der Königreiche England und Frankreich. Nur im strukturellen Vergleich wird es möglich sein, nicht bei einer additiven Reihung der Einzelfälle stehenzubleiben, sondern einen Beitrag zu leisten zu einer politischen Verfassungs- und Gesellschaftsgeschichte des spätmittelalterlichen Europa.

Aus der Einleitung

Table of Contents

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Inhaltsverzeichnis V
Martin Kintzinger / Jörg Rogge: Einleitung 1
Jörg Rogge: Attentate und Schlachten. Beobachtungen zum Verhältnis von Königtum und Gewalt im deutschen Reich während des 13. und 14. Jahrhunderts 7
I. Das Attentat auf König Philipp von Schwaben 1208 9
II. Rahmenbedingungen für das politische Handeln der Könige am Ausgang des 13. Jahrhunderts 13
III. König Adolf von Nassau 1292 bis 1298 14
IV. König Albrecht I. von Habsburg 1298 bis 1308 24
V. Gewalt in der Herrschaftspraxis der Könige um 1300 und ihre Bewertung durch die Chronisten 32
VI. König gegen König: Friedrich von Habsburg, Ludwig der Bayer und die Schlacht bei Mühldorf 1322 35
VII. Kaiser Karl IV. und Gift: tatsächliche oder vorgebliche Giftanschläge als Argument 42
VIII. Fazit und Ausblick 46
Christopher Allmand: Opposition to royal power in England in the late Middle Ages 51
I. The English tradition of constitutional history 51
II. Magna Carta and its impact 52
III. Opposition to the crown in the thirteenth century 54
IV. Opposition to royal 'tyranny', 1307-99 55
V. The succession to the throne in the fifteenth century. What confers legitimacy? 61
VI. General conclusions 64
Martin Kintzinger: Maleficium et veneficium Gewalt und Gefahr für den Fürsten im französischen Spätmittelalter 71
I. Ein Ereignis und seine Folgen 71
II. Die Folgen und ihre Erklärung 73
IIΙ. Königsherrschaft und Konflikte 77
IV. Gift als Geheimwaffe 79
V. Die politische Evidenz 81
VI. Parteienpolitik und Mord als Ultima ratio 84
VII. Parteienpolitik und Mord als Plan 87
VIII. Der politische Mord zwischen Legitimität und Adelskultur 91
IX. Politischer Mord als „Staatspolitik\"? 95
Winfried Eberhard: Gewalt gegen den König im spätmittelalterlichen Böhmen. Adeliger Widerstand und der Ausbau der Herrschaftspartizipation 101
Gert Melville: Ein Exkurs über die Präsenz der Gewalt im Mittelalter. Zugleich eine Zusammenfassung 119
Autorenverzeichnis 135
Register der Personen 136
Register der Orte 140
Register der Sachen, Wörter und semantischen Felder 142