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§ 181 BGB und die organschaftliche Vertretung von Kapitalgesellschaften

Schanze, Philipp

Abhandlungen zum Deutschen und Europäischen Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, Vol. 111

(2018)

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About The Author

Philipp Schanze studierte Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und absolvierte parallel die »Fachspezifische Fremdsprachenausbildung« in der englischen Rechtssprache. Seine erste juristische Prüfung legte er im Jahr 2012 ab. Anschließend folgten zwischen 2012 und 2016 Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einer international tätigen deutschen Großkanzlei und am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches, Europäisches sowie Internationales Handels- und Gesellschaftsrecht von Prof. Dr. Frauke Wedemann. Das zweite juristische Staatsexamen legte er im Jahr 2015 ab. Seit April 2016 ist er als Rechtsanwalt in Düsseldorf tätig.

Abstract

§ 181 BGB gilt als eine der problemträchtigsten Vorschriften des BGB bei der Vertretung im Gesellschaftsrecht. Die Handhabbarkeit der Vorschrift bereitet in der Praxis aufgrund der vielschichtigen Konstellationen im Kapitalgesellschaftsrecht besondere Schwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund unterzieht der Autor alle wesentlichen Rechtsfragen im Zusammenhang mit § 181 BGB bei der organschaftlichen Vertretung von Kapitalgesellschaften einer aktuellen Prüfung, arbeitet die entstehenden Problembereiche unter Berücksichtigung von Rechtsprechung und Schrifttum systematisch auf und entwickelt praxisgerechte Lösungsansätze. Zusätzlich werden Auswirkungen auf die gesellschaftsrechtliche Praxis sowie bestehende Defizite der Vorschrift aufgezeigt. In abschließenden Reformüberlegungen wird zudem als möglicher Reformansatz die Abschwächung der Rechtsfolge des § 181 BGB von der schwebenden Unwirksamkeit zur Anfechtbarkeit identifiziert. »Section 181 of the German Civil Code and the Director as Agent of the Company«

Because of the complex legal framework applicable to a director's acting as agent of a company, Section 181 of the German Civil Code, pertaining to self-dealing, causes particular difficulties. The author analyzes the arising legal questions and develops practice-oriented solutions. Additionally, the author illustrates deficiencies of the provision as well as consequences for the legal profession and identifies a possible approach for reform.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 11
1. Kapitel: Einleitung 19
§ 1 Einführung in die Problemstellung 19
§ 2 Gegenstand und Ziel der Untersuchung 21
§ 3 Gang der Untersuchung 22
2. Kapitel: Neubetrachtung des § 181 BGB bei der organschaftlichen Vertretung 23
§ 1 Zweck der Vorschrift 23
I. Schutz des Vertretenen 23
II. Schutz der Rechtssicherheit 25
1. Das Meinungsspektrum in Judikatur und Schrifttum 25
2. Kritische Würdigung der Argumentation 27
a) Das Argument der Entstehungsgeschichte 28
b) Das Argument der Formalisierung 30
c) Das Argument der hypothetischen Alternativregelung 32
d) Zwischenergebnis 33
III. Gläubigerschutz 34
1. Das Meinungsspektrum in Judikatur und Schrifttum 34
2. Kritische Würdigung der Argumentation 36
IV. Zwischenfazit 39
§ 2 Anwendungsbereich im Gesellschaftsrecht 40
I. Persönlicher Anwendungsbereich 40
II. Gegenständlicher Anwendungsbereich 41
III. Sondervorschriften 42
1. § 112 AktG 42
a) Anwendungsbereich 43
aa) Wirtschaftliche Identität zwischen Vorstandsmitglied und Drittem 44
bb) Amtierende, künftige und ausgeschiedene Vorstandsmitglieder sowie nahestehende Personen 46
b) Rechtsfolge 47
aa) Nichtigkeit nach § 134 BGB 47
bb) Schwebende Unwirksamkeit nach § 177 ff. BGB 48
2. § 89 Abs. 1 AktG 49
a) Bedeutung der Vorschrift neben § 112 AktG 50
b) Anwendungsbereich 51
c) Rechtsfolge 51
3. § 43a GmbHG 52
§ 3 Tatbestand und Rechtsfolgen 54
I. Tatbestand 54
1. Grundfall 54
a) Selbstkontrahieren und Mehrvertretung 54
b) Ausnahmen 55
c) Erkennbarkeit 57
2. Einschränkungen und Erweiterungen des Tatbestands 59
a) Einschränkungen des Tatbestands 60
aa) Lediglich rechtlich vorteilhafte Geschäfte 60
bb) Einpersonen-GmbH 61
cc) Determinierter Geschäftsinhalt aufgrund Vollmacht oder Weisung im Innenverhältnis 62
b) Erweiterungen des Tatbestands 63
aa) Einschaltung eines Untervertreters 63
bb) Ermächtigung bei Gesamtvertretung 65
(1) Analoge Anwendung des § 181 BGB 66
(2) Keine analoge Anwendung des § 181 BGB 66
(3) Sonderfall: Einpersonen-Gesellschaft 68
c) Zwischenfazit 68
II. Rechtsfolge: Schwebende Unwirksamkeit 69
III. Beweislast 71
§ 4 Zentrale Problembereiche bei der organschaftlichen Vertretung und deren Auswirkungen 71
I. Anwendbarkeit der Norm 72
1. Wirtschaftliche Identität 72
a) Möglichkeit einer analogen Anwendung des § 181 BGB 72
b) Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Rechtsgeschäfts 74
2. Vollmachtloser Vertreter 75
a) Einseitig vollmachtlose Vertretung 75
aa) Der falsus procurator als Vertreter im Sinne der Vorschrift 76
bb) Möglichkeit einer teleologischen Reduktion 78
(1) Keine Gefahr für die Vermögensinteressen der Vertretenen 78
(2) Kein abstrakt-genereller Ausschluss eines Interessenkonflikts 79
(3) Teleologische Reduktion nur bei Offenlegung der fehlenden Vertretungsmacht 80
(4) Stellungnahme 81
b) Allseitig vollmachtlose Vertretung 83
c) Auswirkungen der Problematik 84
3. Anwendbarkeit bei der Mehrvertretung im Konzern 85
a) Anwendbarkeit in Vertragskonzern und faktischem Aktienkonzern 86
aa) Verdrängung durch die §§ 291 ff. AktG oder teleologische Reduktion 86
bb) Stellungnahme 88
(1) Vertragskonzern 88
(2) Faktischer Aktienkonzern 91
b) Anwendbarkeit im faktischen GmbH-Konzern 92
aa) Teleologische Reduktion des § 181 Var. 2 BGB 93
bb) Stellungnahme 95
(1) Vorliegen der Voraussetzungen einer teleologischen Reduktion 95
(2) Anwendbarkeit des § 35 Abs. 3 S. 1 GmbHG 96
(3) Fazit 98
c) Ursachen und Auswirkungen der Problematik 99
4. Einpersonen-GmbH 100
a) Abschluss durch den Alleingesellschafter 100
b) Abschluss durch einen Fremdgeschäftsführer 102
c) Ursache und Auswirkungen der Problematik 104
II. Wirksamkeit der Befreiung 105
1. Erfordernis einer Satzungsgrundlage 105
a) Mehrpersonen-GmbH 106
aa) Satzungserfordernis bei genereller Befreiung 106
bb) Kein Satzungserfordernis bei genereller Befreiung 107
b) Einpersonen-GmbH 109
aa) Satzungserfordernis bei Beifreiung im Einzelfall 109
bb) Kein Satzungserfordernis bei Befreiung in der Einpersonen-GmbH 111
c) Stellungnahme und Auswirkungen der Problematik 112
aa) Möglichkeiten des Wirksamwerdens von Rechtsgeschäften 113
bb) Befreiung des Fremdgeschäftsführers in der Einpersonen-GmbH 115
cc) Schwierigkeiten beim Erkennen der notwendigen Befreiungsmaßnahmen 115
dd) Sonderfall: Anstellungsvertrag 117
2. Eintragungspflicht im Handelsregister 117
a) Das Meinungsspektrum in Judikatur und Schrifttum 118
b) Stellungnahme 120
aa) Genetische Auslegung 120
bb) Teleologische Auslegung 122
cc) Fazit: Eintragungsfähigkeit, aber keine Eintragungspflicht 124
c) Folgefragen der Problematik 125
aa) Anforderungen an die Eintragung 126
bb) Wirkung der Eintragung 127
(1) Befreiung durch Satzungsänderung 128
(2) Befreiung unmittelbar durch die Satzung 128
(3) Befreiung durch Beschluss aufgrund einer Öffnungsklausel 128
(4) Zusammenfassende Einordnung 129
cc) Anwendbarkeit des § 15 HGB 130
dd) Zwischenfazit 132
3. Fortgeltung 132
a) Umwandlung in eine Einpersonen-Gesellschaft 132
b) Liquidation der Gesellschaft 134
aa) Fortgeltung der Befreiung der Geschäftsführer im Liquidationsstadium 135
bb) Geltung der Befreiungsermächtigung auch für Liquidatoren 137
cc) Auswirkungen der Problematik 138
4. Doppelstöckige Vertretungsverhältnisse 140
a) Das Meinungsspektrum in Judikatur und Schrifttum 141
b) Kritische Würdigung der Ansätze 143
c) Ursache und Auswirkungen der Problematik 147
III. Wirksamkeit der Genehmigung 148
1. Genehmigung durch den selbst nicht befreiten Geschäftsführer 149
2. Auswirkungen der Problematik 150
IV. GmbH & Co. KG 151
1. Die rechtliche Ausgangssituation in der GmbH & Co. KG 151
2. Wirksamkeit von Rechtsgeschäften zwischen den beteiligten Rechtssubjekten 152
a) Rechtsgeschäfte zwischen Geschäftsführer und GmbH 153
b) Rechtsgeschäfte zwischen Geschäftsführer und KG 153
aa) Rechtslage in der mehrgliedrigen GmbH & Co. KG 154
bb) Sonderfall: Einpersonen-GmbH & Co. KG 157
(1) Ausschluss der teleologischen Reduktion durch § 35 Abs. 3 S. 1 GmbHG 157
(2) Zwischenergebnis 159
c) Rechtsgeschäfte zwischen Komplementär-GmbH und KG 160
aa) Verhältnis des Geschäftsführers zu GmbH und KG 160
bb) Verhältnis der GmbH zur KG 161
(1) Unanwendbarkeit des § 181 BGB zwischen KG und GmbH 162
(2) Anforderungen an eine teleologische Reduktion im Verhältnis zwischen KG und GmbH 162
(a) Ausschluss eines Interessenkonflikts auf Ebene der GmbH 162
(b) Umgehung des § 181 BGB 164
(3) Ergebnis 164
d) Rechtsgeschäfte zwischen zwei GmbH & Co. KG 165
aa) Verschiedene Komplementärinnen mit demselben Geschäftsführer 165
bb) Identische Komplementärin 166
e) Anforderungen an die Gestattung 166
aa) Befreiung des Geschäftsführers durch die Komplementär-GmbH 167
bb) Befreiung der Komplementär-GmbH und des Geschäftsführers durch die KG 167
(1) Befreiung durch einen anderen Geschäftsführer der GmbH 167
(2) Befreiung durch die Gesellschafter der GmbH 168
(3) Befreiung durch Vertragsdurchbrechung im Einzelfall 169
cc) Pflicht zur Eintragung in das Handelsregister 170
3. Auswirkungen der Problematik 173
V. Beteiligung ausländischer Gesellschaften 174
1. Anwendbarkeit des § 181 BGB 174
a) Rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht 175
aa) Das Geschäftsstatut 175
bb) Das Vollmachtsstatut 175
cc) Reichweite des Vollmachtsstatuts 177
dd) Folgen für die Vornahme von Insichgeschäften 177
b) Organschaftliche Vertretung 178
aa) Das Gesellschaftsstatut 178
bb) Reichweite des Gesellschaftsstatuts 179
cc) Folgen für die Vornahme von Insichgeschäften 179
dd) Rechtsvergleichender Rundblick in europäische Rechtsordnungen 180
(1) Rechtsordnungen mit vergleichbarer Regelung – insbesondere Italien 180
(2) Österreich 183
(3) Schweiz 184
(4) Frankreich 186
(5) Vereinigtes Königreich 189
(a) Vertretung der britischen Kapitalgesellschaft 190
(b) Anfechtbarkeit von Rechtsgeschäften mit directors 193
(c) Generelle Regelung – Interessenkonflikt und self-dealing 194
(d) Spezialvorschriften 197
(e) Vergleich mit der deutschen Rechtslage 198
(6) Ergebnis des rechtsvergleichenden Rundblicks 200
2. Eintragungsfähigkeit und -pflichtigkeit im Handelsregister 200
a) Geschäftsführendes Organ der ausländischen Gesellschaft 201
aa) Eintragungsfähigkeit zum Schutz des Rechtsverkehrs 202
bb) Keine Eintragungsfähigkeit 202
cc) Eintragungsfähigkeit einer Befreiung von entsprechenden Beschränkungen des ausländischen Rechts 204
b) Ständiger Vertreter der Zweigniederlassung 205
3. Auswirkungen der Problematik 206
VI. Zwischenfazit: Defizite der Regelung des § 181 BGB 207
1. Intransparenz 208
a) Anwendbarkeit und Behandlung des Tatbestands 208
b) Grundsätze der Handelsregistereintragung 209
c) Rechtsfolge: Unerkannt unwirksame Rechtsgeschäfte 209
2. Reichweite der Vorschrift 211
a) Keine umfassende Regelung von relevanten Interessenkonflikten 211
b) Strenge Rechtsfolge unabhängig vom tatsächlichen Bestehen eines Interessenkonflikts 212
3. Kapitel: Reformüberlegungen 214
§ 1 Überlegungen de lege lata 214
I. Verlagerung von Entscheidungskompetenzen 215
II. Verbot bestimmter Rechtsgeschäfte 215
III. Grundsätze des Missbrauchs der Vertretungsmacht 215
1. Anwendungsbereich und Voraussetzungen 216
a) Kollusion 216
b) Evidenz 217
2. Rechtsfolgen eines Missbrauchs 218
3. Insichgeschäfte als Missbrauch der Vertretungsmacht 219
a) Kollusives Insichgeschäft 219
b) Insichgeschäft unter Überschreitung der Vertretungsbefugnis 219
4. Eignung als Beschränkung für Insichgeschäfte organschaftlicher Vertreter 221
IV. Organschaftliche Treuepflicht 222
1. Treuepflicht bei Insichgeschäften 224
2. Rechtsfolgen eines Verstoßes gegen die Treuepflicht beim Insichgeschäft 225
3. Eignung als Beschränkung für Insichgeschäfte organschaftlicher Vertreter 226
a) Organschaftliche Treuepflicht beim Selbstkontrahieren 227
b) Organschaftliche Treuepflicht bei der Mehrvertretung 227
V. Ausschluss des organschaftlichen Stimmrechts 228
1. Ausschluss des organschaftlichen Stimmrechts bei Insichgeschäften 229
a) Geltung des Stimmverbots für Vertreter in der Gesellschafterversammlung 230
b) Übertragbarkeit des Stimmverbots auf Abstimmungen im Kollegialorgan 231
2. Rechtsfolgen des Verstoßes gegen ein Stimmverbot bei Insichgeschäften 232
3. Eignung als Beschränkung von Insichgeschäften organschaftlicher Vertreter 232
VI. Zwischenfazit 233
§ 2 Überlegungen de lege ferenda 233
I. Abschaffung von § 181 BGB und § 35 Abs. 3 S. 1 GmbHG 234
1. Unanwendbarkeit von § 181 BGB bei der organschaftlichen Vertretung 234
2. Abschaffung von § 35 Abs. 3 S. 1 GmbHG 235
II. Verbot bestimmter Rechtsgeschäfte 235
III. Verlagerung von Entscheidungskompetenzen 236
IV. Abschwächung der Rechtsfolge von Unwirksamkeit zu Anfechtbarkeit 237
1. Allgemeine Vorteile der Anfechtungslösung 238
2. Vorteile der Anfechtungslösung für die erörterten Problembereiche 240
a) Anwendbarkeit der Norm 240
b) Wirksamkeit von Befreiung und Genehmigung 240
c) § 181 BGB in der GmbH & Co. KG 241
d) Beteiligung ausländischer Gesellschaften 241
e) Abmilderung der Defizite von § 181 BGB 242
3. Nahtlose Einfügung in die Regelungssystematik des Zivilrechts 242
a) Anordnung der schwebenden Unwirksamkeit im Recht der Willenserklärungen 243
b) Einfügung in die Systematik der Anfechtungsrechte 243
V. Ergebnis der Überlegungen de lege ferenda 244
4. Kapitel: Zusammenfassung 245
Literaturverzeichnis 252
Stichwortverzeichnis 266