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Abdingbarkeit und Gegenstand der gesellschaftsrechtlichen Treuepflicht

Eine dogmatische Abhandlung de lege lata mit Blick auf die Rechtswissenschaft in den Vereinigten Staaten und die Rechtsökonomik

Mann, Maximilian

Abhandlungen zum Deutschen und Europäischen Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, Vol. 116

(2018)

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About The Author

Maximilian Mann studierte ab dem Jahr 2009 Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und legte Anfang 2014 sein erstes Staatsexamen in Baden-Württemberg ab. Im Anschluss arbeitete er bis Ende 2017 als wissenschaftlicher Assistent von Professor Dr. Dr. h.c. Holger Fleischer am Max-Planck-Institut für internationales und ausländisches Privatrecht in Hamburg. Seit 2016 bestreitet er sein Referendariat am Hanseatischen Oberlandesgericht mit Stationen am Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, dem Hanseatischen Oberlandesgericht sowie Freshfields Bruckhaus Deringer. Maximilian Mann studied law at the Albert-Ludwigs-University of Freiburg starting 2009 and passed his first state examination in Baden-Württemberg at the beginning of 2014. He then worked as a research assistant to Professor Dr. Dr. h.c. Holger Fleischer until the end of 2017 at the Max Planck Institute for Comparative and International Private Law in Hamburg. Since 2016 he has been conducting his legal clerkship at the Hanseatic Higher Regional Court with stages at the Federal Ministry of Justice and Consumer Protection, the Hanseatic Higher Regional Court and Freshfields Bruckhaus Deringer.

Abstract

Die Treuepflicht ist die zentrale Pflicht im Gesellschaftsverhältnis. Literatur und Rechtsprechung haben sie in einer Fülle von Abhandlungen und Entscheidungen geformt. Dennoch ist keine leistungsfähige Definition der Treuepflicht vorhanden und noch immer ist ihr Verhältnis zu allgemeinen Instituten wie dem Rechtsmissbrauch ein Rätsel. Diese Defizite erklären, weswegen die Diskussion um die Abdingbarkeit der Treuepflicht bis vor kurzem ein Schattendasein führte, obwohl die Abbedingung der Treuepflicht sinnvoll sein kann.

Die Arbeit schließt die Lücken in der Treuepflichtdogmatik hinsichtlich des Begriffs der Treuepflicht und ihrer Abgrenzung zu anderen Instituten. Hierauf aufbauend leistet die Abhandlung einen Beitrag zur zwischenzeitlich entfachten Diskussion um die Abdingbarkeit der Treuepflicht. Dabei wird nicht nur die Deutsche Rechtswissenschaft berücksichtigt; es werden auch Anleihen bei der US-amerikanischen Rechtswissenschaft und der Verhaltensökonomik genommen.
»Derogation from and Concept of the Duty of Loyalty«

The duty of loyalty is the central duty in German corporate law. Academia and judicature have shaped this duty through numerous decisions and papers. However, there’s no effective definition of the duty of loyalty and its interdependence with contractual duties like the covenant of good faith and fair dealing is still a mystery; likewise, the German discussion about the derogation from the duty of loyalty, until recently, led an existence in the shadows. This monography fills these gaps.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 14
Teil 1: Einleitung 19
A. Problemaufriss 19
B. Gang der Darstellung und Forschungsansätze 22
Teil 2: Allgemeiner Teil 26
A. Gegenstand der Treuepflicht und seine Umgebung 26
I. Abstrakte Begriffsbeschreibung der Treuepflicht 26
1. Gängige Begriffsbeschreibungen 26
2. Grundmanns Begriffsschärfung 30
3. Ableitung exakterer Kriterien 33
a) Eingrenzungskriterium aus dem Zweck 35
b) Eingrenzungskriterium aus der Wirkweise 38
c) Eingrenzungsindiz aus dem Inhalt 43
4. Geschärfte Begriffsbeschreibung 46
II. Konkretes Vorkommen der Treuepflicht 46
1. Geschäftsleiterbereich 47
2. Gesellschafterbereich 48
III. Verhältnis zur gesetzlichen Umgebung 50
1. Allgemeine Institute aus Treu und Glauben 50
a) Widersprüchliches Verhalten 51
b) Missbräuchliche Rechtsausübung (Rechtsmissbrauch i.e.S.) 53
2. (Ergänzende) Vertragsauslegung gemäß §§ 133, 157 BGB 55
3. Störung der Geschäftsgrundlage gemäß § 313 BGB 58
4. Sittenwidrigkeit gemäß §§ 138 Abs. 1, 826 BGB 59
5. Sorgfaltspflicht 59
6. Weitere gesetzliche Umgebung 60
7. Schlussbemerkung zur gesetzlichen Umgebung 60
IV. Flankierende außergesetzliche Mechanismen und Pflichten 61
1. Monetärer Anreiz 61
2. Persönliche Bindung 62
3. Kapitalmarkt 63
4. Produktmarkt 64
5. Arbeitsmarkt 65
6. Internalisierte Moralvorstellung 67
7. Reputationsinteresse 68
8. Vertragliche Einzelpflicht 68
9. Schlussbemerkung zur außergesetzlichen Umgebung 69
V. Rechtsgrundlage der Treuepflicht 69
VI. Zwischenergebnis in Thesen 72
B. Fundament einer Abdingbarkeit – Aspekte der Vertragsfreiheit 73
I. Zwecke der Vertragsfreiheit 74
1. Gewährleistung von Gerechtigkeit beziehungsweise Effizienz 74
2. Gewährleistung materieller Selbstbestimmung 76
3. Gewährleistung formeller Selbstbestimmung 76
II. Typen des Eingriffs in die Vertragsfreiheit 81
1. Fremdinteressenschutz 81
2. Weicher Paternalismus 81
3. Harter Paternalismus 85
III. Schutzpflicht aus der Vertragsfreiheit 87
IV. Vertragsfreiheit und Abdingbarkeit der Treuepflicht 88
V. Zwischenergebnis in Thesen 91
C. Zweckmäßigkeitsprobleme bei richterlichen Billigkeitsspielräumen 92
I. Begriff des richterlichen Billigkeitsspielraums 92
II. Zweckmäßigkeitsprobleme bezüglich des Ergebnisses 93
1. Einfluss außerrechtlicher Umstände auf den Richter 94
2. Stützung mit der Anreizstruktur des Richters 97
3. Stützung mit empirisch belegten Rationalitätsdefiziten 100
III. Zweckmäßigkeitsprobleme bezüglich des Prozesses 102
IV. Billigkeitsspielräume und Treuepflicht 102
1. Anwendung der Treuepflicht 102
2. Abdingbarkeit der Treuepflicht 103
V. Zwischenergebnis in Thesen 104
Teil 3: Konkrete Diskussion um die Abdingbarkeit 105
A. Abdingbarkeit im Geschäftsleiterbereich der GmbH 105
I. Zulässigkeit nach gegenwärtigem Stand der Rechtswissenschaft 106
1. Deutschland 106
2. USA 111
II. Ausgangspunkt 115
III. Normative Anknüpfung einer Unabdingbarkeit 115
1. Wesensmerkmal/Grundprinzipien des Gesellschaftsrechts 116
2. Treuepflicht als zwingendes überpositives Rechtsprinzip 119
3. Treu und Glauben als zwingendes Rechtsinstitut 121
4. Perplexität des Rechtsverhältnisses 122
5. § 276 Abs. 3 BGB 123
6. Inhaltskontrolle/Sittenwidrigkeit 124
IV. Rechtsgründe für eine Unabdingbarkeit 125
1. Fremdinteressenschutz 125
a) Gläubiger- und Arbeitnehmerinteressen 125
b) Minderheitsinteressen 127
c) Interessen zukünftiger Gesellschafter 128
d) Kollektivinteressen 129
2. Schutz vor Selbstbestimmungsdefiziten (weicher Paternalismus) 132
a) Sinnlosigkeit einer Abbedingung? 132
aa) Scheinbare Sinnlosigkeit einer Abbedingung 133
bb) Nebenwirkungen der Treuepflicht 134
cc) Andere Schutzmechanismen und monetärer Ausgleich 137
dd) Sonderfälle 139
ee) Schlussbemerkungen 139
b) Empirisch belegte Rationalitätsdefizite 140
c) Informationsdefizite, insbesondere Erfahrungsdefizite 143
d) Allgemeines Verhandlungsungleichgewicht 144
3. Schutzpflicht des Richters 145
V. Entgegenstehende Rechtsgründe 146
1. Vertragsfreiheit der Parteien 146
2. Hilfsweise: Keine Evidenz 147
VI. Zusätzliche normative Anknüpfung an die Treuepflicht selbst 149
VII. Abschließende Bewertung der materiellen Abdingbarkeit 151
VIII. Exkurs: Abdingbarkeit allgemeiner Institute 151
IX. Prozedurale und formale Anforderungen bei Abbedingung 153
1. Gegenwärtiger Stand der Rechtswissenschaft 153
2. Ausgangspunkt und allgemeine Anforderungen 155
3. § 33 Abs. 1 Satz 2 BGB (Änderung des Gesellschaftszwecks) 157
4. § 47 Abs. 4 Satz 1 GmbHG (Stimmrechtsausschluss) 158
5. Bestimmtheitsgrundsatz/Kernbereich der Mitgliedschaft 159
6. Treuepflicht selbst 160
a) Anforderungen an den Geschäftsführer 160
b) Anforderungen an die Gesellschafter 162
7. Gleichbehandlungsgrundsatz 162
X. Empfehlenswerte Maßnahmen bei Abbedingung 163
XI. Zwischenergebnis in Thesen 164
B. Abdingbarkeit im Geschäftsleiterbereich der Aktiengesellschaft 167
I. Zulässigkeit nach gegenwärtigem Stand der Rechtswissenschaft 167
II. Gemeinsamkeiten 168
III. Besonderheiten 172
1. Fremdinteressenschutz 172
a) Transaktionskosten bei Anteilserwerb 172
b) Kapitalmarkt als Ausgleichsmechanismus 173
2. Schutz vor Selbstbestimmungsdefiziten (weicher Paternalismus) 175
a) Informationsdefizite bei Abbedingung 175
b) Allgemeines Verhandlungsungleichgewicht bei Abbedingung 178
c) Defizite zukünftiger Aktionäre bei Anteilserwerb 179
3. Normative Anknüpfung an § 23 Abs. 5 AktG (Satzungsstrenge) 181
IV. Zwischenergebnis in Thesen 186
C. Abdingbarkeit im Gesellschafterbereich der OHG 187
I. Zulässigkeit nach gegenwärtigem Stand der Rechtswissenschaft 188
II. Gemeinsamkeiten 190
III. Besonderheiten 192
1. Risikofaktoren für opportunistisches Verhalten 192
2. Informationsprobleme 194
3. Normative Anknüpfung an § 705 BGB 195
4. Abschließende Bewertung der materiellen Abdingbarkeit 196
IV. Prozedurale und formale Anforderungen 196
V. Zwischenergebnis in Thesen 198
D. Abdingbarkeit im Allgemeinen 199
I. Verallgemeinerungsbare Erkenntnisse 199
II. Ausnahmen 201
1. § 23 Abs. 5 AktG (Satzungsstrenge) bei Aktiengesellschaften 201
2. Offene Gesellschaften ohne hinreichend effizienten Markt 202
3. Inhaltskontrolle als Ausgleichsmechanismus 203
III. Prozedurale und formale Anforderungen 203
IV. Zwischenergebnis in Thesen 204
Teil 4: Zusammenfassung in Thesen 206
A. Gegenstand der gesellschaftsrechtlichen Treuepflicht 206
B. Abdingbarkeit im Geschäftsleiterbereich der GmbH 207
C. Abdingbarkeit im Geschäftsleiterbereich der Aktiengesellschaft 209
D. Abdingbarkeit im Gesellschafterbereich der OHG 209
E. Abdingbarkeit im Allgemeinen 210
Literaturverzeichnis 211
Sachwortregister 227