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Schneller fertig, aber weniger Freizeit? – Eine Evaluation der Wirkungen der verkürzten Gymnasialschulzeit auf die außerschulischen Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler

Meyer, Tobias | Thomsen, Stephan L.

Journal of Contextual Economics – Schmollers Jahrbuch, Vol. 135 (2015), Iss. 3: pp. 249–277

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Tobias Meyer, Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung (NIW), Königstr. 53, 30175 Hannover

Stephan L. Thomsen, Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung, Königstr. 53, 30175 Hannover

Abstract

Most federal states of Germany have recently reduced the school duration for obtaining the university admittance qualification by one year. Since the curriculum was not changed, students have to attend more lessons per week and have to learn more content per unit of time. Based on data from the double cohort of high school graduates in the state of Saxony-Anhalt, we investigate the effects of the higher work load at school on perceived stress and extracurricular activities. We find, among others, that students affected by the reform feel more burdened by learning and spent less time on working in a side job or voluntary activities.

Zusammenfassung

Die meisten Bundesländer haben in der jüngeren Vergangenheit die Gymnasialschulzeit um ein Jahr verkürzt (sog. Turbo-Abitur oder G8-Reform). Aufgrund des dabei unveränderten Umfangs des Curriculums müssen die Schüler nun eine höhere Zahl von Unterrichtsstunden pro Woche absolvieren und mehr Inhalte in der verfügbaren Zeit lernen. In diesem Aufsatz werden die Wirkungen der höheren schulischen Lernintensität auf die wahrgenommene Belastung und die außerschulischen Aktivitäten geschätzt. Die Teilnahme an sportlichen, musischen und ehrenamtlichen Tätigkeiten im Jugendalter hat einen nachgewiesenen Einfluss auf die Entwicklung von kognitiven und nicht-kognitiven Fähigkeiten. Hiermit sind Effekte auf den Bildungs- und Berufserfolg sowie auf das gesellschaftliche Engagement im späteren Leben verbunden. Zur Identifikation der Auswirkungen der Schulzeitverkürzung verwenden wir Primärdaten zur Reform in SachsenAnhalt; diese erfüllt die Eigenschaften eines natürlichen Experiments. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler durch das achtjährige Gymnasium eine stärkere Lernbelastung empfinden. Sie haben zudem weniger Zeit für Nebenjobs und ehrenamtliche Tätigkeiten.

JEL Classification: I21, J18, C21